Landschaft in Darien (Fälle des Rio Mamoni).
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B. Mittelamerika.
I. Das Festland.
Unter Mittelamerika begreift man das Gebiet des ameri-kanischen Festlandes von der Halbinsel Yucatan im Nordwestenbis zur Landenge von Panama im Südosten; ausserdem rechnetman die reichgestaltige Inselwelt, welche der Festlandsküstevon Central am er ika und Südamerika vorgelagert ist und welchein die drei Hauptgruppen der grossen Antillen, der kleinenAntillen und der Bahamainseln zerfällt, hierzu.
Das Antillenmeer ist bekanntlich der Schauplatz der ersten Entdeckungen desChristoph Columbus. Er unternahm von Spanien vier Fahrten nach Westen.'Dieerste (1492) führte ihn in 32 Tagen von den Kanarischen Inseln nach „San Salvador”(bei den Eingeborenen „Guanahani”), von hier nach der Insel Cuba, welche Columbusfür einen Theil des Festlandes von Asien hielt, und nach „Espagnola” (Haiti). DieseInsel war nach seiner Meinung Zipangu oder Japan. Der Glaube, im Indischen Meeregewesen zu sein, verliess ihn auch nicht bis zu seinem Tode. Die zweite Reise (1493)führte ihn nach Jamaica und die dritte (1498) an die Küste von Südamerika, wo derOrinoco mündet. Wohl erkannte Columbus den Charakter des Festlandes aus dergewaltigen Grösse des Stromes, verfolgte jedoch die neuen Entdeckungen nicht. Aufder vierten Reise (1502) erreichte er über Haiti die Ostküste von Honduras, das erfür die hinterindische Halbinsel hielt.
Inzwischen hatten andere Seefahrer, welche auf eigene Hand nach dem Westengesegelt waren (Hojeda, Cosa, Vespucci [1499], Pinzon [1499], Bastidas [1501] undAndere) die nördliche Küste Südamerikas bis zum Golfe von Darien erforscht. ImJahre 1510 wurde von Spaniern in „Neu-Andalusien” (dem östlichen Theile vonDarien) die Colonie San .Sebastian, und jenseits des Atrato die AnsiedelungSanta Maria del Antigua gegründet. Von dieser letzteren trat 1513 Balboa seinenberühmten Zug über den Isthmus an und nahm die Südsee mit Inseln und Gestadenim Namen des Königs in Besitz. Nun dehnten sich die Entdeckungen rasch nachdem Norden aus. 1521 erreichte manNicaragua und 1524 trafen die vom Südenkommenden Spanier an der Ostküste vonHonduras mit einer .Schaar zusammen,welche Cortez von Norden her abge-sendet hatte.
Lage. Das mittelamerika-nische Festland, welches alsschmale Brücke Nordamerikamit Südamerika verbindet, liegtganz in der heissen Zone, d. h.zwischen dem 8.° und 17. 0 Nord-breite. In longitudinaler Rich-tung erstreckt sich das Gebietzwischen dem 78/ und93. 0 West-länge (von Greenwich). Diefestländischen Grenzen sind imNordwesten die mexicanischenStaaten Oaxaca und Chiapas,im vSüdosten der Staat Panamader Vereinigten ^Staaten vonColumbien. Auf der Nordseiteund Nordostseite wird Mittel-amerika vom WestindischenMittelmeer, an der Südseiteund Süd Westseite vom Grossen
Ocean bespült. Der östliche Theil des Westindischen Mittel-meeres (oder Antillenmeeres) heisst Caribisches Meer.
Küstengliederung siehe S. 294 und 296.
Bodengestalt siehe S. 300.
Flüsse, Seen. Auf Grund der geringen BreitenausdehnungMittelamerikas sind die Flussläufe von unansehnlicher Entwicke-lung und kommt ihnen nur die Bedeutung von Küstenflüssenzu. Der ansehnlichste Fluss ist der Rio Coco, welcher Nica-ragua von Südwest nach Nordost durchfliesst und in das Antillen-meer fällt. Zu erwähnen ist ferner der Rio Montagua inGuatemala und der Rio San Juan, welcher den See von Nica-ragua entwässert. Alle anderen fliessenden Gewässer sind un-bedeutend.
Von Seen sind zu nennen: der See von Nicaragua, inder grossen Ebene dieses Landes, und der Managuasee, ebenda.
Klima etc. siehe S. 303.
Bewohner. Das Gesammtgebiet von Mittelamerika wird vonungefähr 2*7 Millionen Menschen bewohnt, von denen etwa200.000 Weisse, 1 Million Mischlinge, der Rest Indianersind. Neuerdings wurde eine grosse Zahl von Negern zurPlantagenarbeit herangezogen.
Die Indianer unterscheiden sich wesentlich von ihren nordamerikanischenStammesgenossen, indem sie nicht wie diese auf Jagd und Krieg erpicht, sondern einsehr rühriges, ackerbautreibendes Volk sind, welches steigenden Aufschwung nimmt.
Diese Indianer stehen in sittlicher Bezie-hung entschieden höher als die vielenMischlingsarten, unter welchen die Me-stizen die zahlreichsten sind. Die herr-schende Rasse bilden die Kreolen, dieauch als die Cullurrcpräsentanten geltenmüssen. Ihr Culturwerth stellt übrigens inkeinem Verhältnisse zu der stolzen undselbstbewussten Art, welche sie zur Schautragen. Ohne das Talent zu besitzen, nachunten bildend zu wirken, verhalten siesich zugleich ablehnend gegen alle frem-den (civiüsatorischen) Einflüsse, wodurchsie nur bedingungsweise als vermittelndesGlied zwischen fremder Cultur und ein-heimischer Uncultur gelten können.
Die geistig und physisch bestge-arteten Indianer trifft man in Guatemala,und zwar im herrlichen Izabalthale, wodie tropische Natur mit seltener Prachtsich entfaltet. Die Gesammtbevölkerungvon (fuatemala scheidet sich in dreiStände, welche ebensoviele Gesellschafts-classen vertreten: (las Volk (IndianerundZambos), die „Gentry” (Mestizen und Mu-latten) und der Adel, der sich aus reichenKaufleuten und dem Clcrus zusammen-setzt.— Von Honduras verlautet nichtsGutes. Man nimmt fast nirgends weisseFrauen wahr und „eine wahre Ehe ist
Indianerwohnung in Centralamerika.
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