A. Nordafrika. — I. Die Mittelmeerländer.
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sire (Gezire), mit weitläufigem, aber vernachlässigtem Parke. Mit dem KairenerUfer ist die Verbindung durch eine grosse, mit dem jenseitigen Ufer durch einekleine Brücke hergestellt. Wo die letztere Brücke endet, liegt das Schloss Dschise(Gizeh) und etwas stromauf des Nil das Dorf Dschise. Gegenüber von Alt-Kairoliegt die Insel Roda, mit üppiger Parkwildniss. Auf dieser Insel befindet sichder uralte „Nilmesser” (ein cisternenartiger Bau), an dessen Scala die Nilschwellecontrolirt wird. — Südwestlich von Dschise liegen die drei grossen Pyramidendes Chufu (Cheops), des Chefren und des Menkerä (Mykerinos), sowie dieweltberühmte grosse Sphinx, neuerdings zum Theil von den Sandmassen befreit,welche ihr Basament bedeckten und theilweise noch immer bedecken.
Nächst Kairo ist Alexandria (231.000 Einwohner), arabischIskanderije, die zweitgrösste Stadt und der wichtigsteHafen von Aegypten. Sie liegt auf dem sandigen Streifenzwischen dem Meer und dem sumpfigen Mareotissee, zumgrössten Theil die schmale Landzunge zwischen dem AltenHafen und Neuen Hafen bedeckend; auf der Landseite istdie Stadt von einer alten, durch Forts und Bastionen ver-stärkten Mauer umgeben. Den Hafen vertheidigen das Castellneben dem Leuchtthurm, einige Strandbatterien und das FortNapoleon. Alexandria ist seinem Typus nach kaum eineorientalische Stadt zu nennen, doch findet man selbst in derFrankenstadt noch viele ungepflasterte (und zum Theil namen-lose) Gassen. Die reizlose Gegend, in welcher Alexandrialiegt, wird verschönt durch die Gärten mit ihrer tropischenVegetation.
Den Mittelpunkt des gesellschaftlichen und commerciellenLebens bildet die unweit des Neuen Hafens gelegene PlaceMehemet Ali (früher „Place des Consuls”), mit der Reiter-statue Mohammed Ali’s; ansehnliche Gebäude, Fontänenund Baumpflanzungen zieren diesen Platz.—Von ihm geht dieschnurgerade, breite Rue Ibrahim in südlicher Richtung abund endet am Mahmudije-Canal, welcher Alexandria mit demNil (Arm von Rosette) verbindet. Am Ende der Halbinsel,welche die beiden Häfen voneinander trennt, liegt das vice-königliche Schloss Ras-et-Tin. Der Theil der Stadt, welchersich ostwärts dehnt, wird von der stattlichen Rue de la Portede Rosette durchschnitten. Den südöstlichen Theil von Alexan-dria nehmen Gärten ein; den südlichen Theil durchzieht die Ruede la Colonne; etwas seitwärts von ihr erhebt sich die Pom-pejussäule aus rothem Granit, welche der Präfect Pompejus zuEhren des Kaisers Diocletian hatte aufrichten lassen. Die übrigenantiken Denkmäler Alexandrias sind ohne Belang. Im Juli 1882wurde die Stadt aus Anlass der bereits erwähnten Vorgänge (siehedie Einleitung) von der englischen Flotte unter Befehl des Ad-mirals Seymour beschossen, wobei sie erheblichen Schaden nahm.
In Unterägypten sind ferner bemerkenswerth:
Damiette (44.000 Einwohner), unfern der Mündung desNilarmes von Damiette gelegen, eine gutgebaute Stadt mit
Die Memnonskolosse.
Leinenfabriken. In der Umgebung viel Reisbau. — Rosette(19.000 Einwohner), unfern der Mündung des Nilarmes von Ro-sette gelegen, mit Baumwollen- und Leinenweberei, starkemReisbau und lebhaftem Handel. — Tanta (34.000 Einwohner),berühmt durch seine Moschee Seid-Achmed-el-Bedavi und seinedrei grossen Messen, zu denen oft 100.000 Besucher zusammen-strömen. — Mansura (27.000 Einwohner), auf dem rechten Uferdes Nilarmes von Damiette, in einer der fruchtbarsten Gegen-den Aegyptens.— Matarije, kleines Dorf unfern des Nilarmesvon Damiette, erwähnenswerth durch den grossen Sieg derFranzosen unter Kleber über die Armee des Grossveziers am20. März 1800. — Dam anhur (23.000 Einwohner), mit grossen
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Der grosse Säulensaal zu Karnak.
Baumwollenpflanzungen. — Ismai‘lij.a (17.000 Einwohner), amwestlichen Ufer des Suezcanals, beziehungsweise am Timsaseegelegen, gleich weit von den Endpunkten des Canals entfernt.— Am nördlichen Ende desselben liegt Port Said (20.000 Ein-wohner), eine Stadt, die erst während des Canalbaues entstandenist. Sie hat grossartige Hafenanlagen (Docks, Magazine etc.)und einen gewaltigen Hafendamm, an dessen Ende ein pracht-voller Leuchtthurm (mit elektrischem Licht) steht. — Suez(12.000 Einwohner), am Südende des Suezcanals, bestehend ausder eigentlichen Stadt und dem „Port Ibrahim” mit seinen weit-läufigen maritimen Etablissements. Diese Anlage ist erst durchAnschüttungen in der Lagune von Suez geschaffen worden.
Das Nilthal von Kairo bis Theben.
Bei der Station Bedraschen der bis Siut ziehenden „oberägyptischen Bahn” befindet sich dieStätte von Memphis mit einer verstümmelten Kolossalfigur Ramses’ II. — Bei dem etwas südlichergelegenen Dorfe Sakkara das Pyramidenfeld von Dahrur mit der sogenannten „Stufenpyramide”. —Weiter die^G^äber der Apisstiere (das Serapeum), die Reste der von Psametich erbauten Gräberder heiligen Stiere der alten Aegypter. Das interessanteste Bauwerk von Sakkara ist die Mastabades Ti, berühmt wegen ihrer zahlreichen cultur- und kunstgeschichtlichen bildlichen Darstellungen.— Bei Wasta zweigt eine Flügelbahn nach Abu Kesi, mit der Zwischenstation Medinet-el-Fayum (12.000 Einwohner), einer der blühendsten Städte Mittelägyptens, ab. Im Nordwesten derOase von Fayum dehnt sich der künstliche See Möris (jetzt Birket-el-Kerun) aus, an dessen Uferdas berühmte Labyrinth stand.
Weiter nilauf folgen Beni-Suef und Abu Girge, kleine Städte ohne Merkwürdigkeiten. BeiAbu Girge ist die Stätte der Todtenstadt Kynopolis, in deren Umgebung zahlreiche Hundemumiengefunden wurden. — Nun folgt eine längere Strecke mit vielen, aber nicht bedeutenden Spuren alterCultur, über Minye hinaus bis Beni-Hassan. Hier liegen die berühmten Felsengräber. — Dienächste antike Stätte ist die von Antinoe, so benannt nach Kaiser Hadrian’s Liebling Äntinous;dann folgt Tell-el-Amarna, mit den Resten der Residenz des Apostaten Amenophis’ IV. — NachPassirung des schroffen Uferberges Abu Foda folgt eine Uferstrecke mit den Krokodilhöhlenvon Mahabde, dann das Städtchen Monfalut, zuletzt Siut (32.000 Einwohner), die grösste StadtOberägyptens und Endpunkt der oberägyptischen Eisenbahn.
Die Landschaften werden nun freundlicher und zeigen zum Theil üppige Vegetation. Vongrösseren Ortschaften folgen: Abu Tig, Kau-el-Kebir, letzteres auf der Stätte von Aetano-polis, wo nach altägyptischem Mythus der Entscheidungskampf zwischen dem Gotte des Lichtes(Horus) und dem Gotte der Finsterniss (Typhon) stattgefunden hat; ferner Techta, Sohag undzuletzt die gartengeschmückte Stadt El Ach mim. Sie nimmt den Platz von Panopolis (Chemmis)ein und ist eine volkreiche, handeltreibende Stadt. — Der nächste Ort, Girge, ist ohne Merk-würdigkeit, aber interessant des Umstandes halber, dass der Nil den Ort sozusagen stückweise fort-schwemmt. — Landeinwärts des nächsten Ortes, Belliane, liegen die gut erhaltenen Reste des altenAbydos, einer der ältesten und heiligsten Oertlichkeiten von Altägypten; hervorragende Denkmälersind das Memnonium Seti’s I. und der Osiris-Tempel Ramses’ II.
Die nächste Nilstrecke bis Kene ist ohne besonderes Interesse. Kurz vor diesem Städtchenliegt aber der berühmte Tempel von Dendera, inmitten eines ziemlich weitläufigen Ruinenfeldes.Das Heiligthum war der Hathor (Göttin der Liebe) geweiht. Die älteste Anlage bestand schon zurZeit der VI. Dynastie, ein Neubau griff unter Totmes III. (XVIII. Dynastie), die letzte Wieder-herstellung unter den Ptolemäern Platz. Sowohl die Innenräume als die Aussenwände des Tempelssind hochinteressant wegen ihrer bildlichen Darstellungen, Sculpturen, Götter- und Königsfiguren undden dazugehörenden hieroglyphischen Texten. Hier wurde der berühmte „Thierkreis von Dendera”entdeckt. — Unmittelbar südlich von Dendera liegt Kene (Kaenopolis), ein Städtchen mit lebhaftemHandel und Ausgangspunkt einer Karawanenstrasse nach Kossei'r am Rothen Meer. Kene ist derErzeugungsort der „Kulle”, der im ganzen Nilthale in Gebrauch stehenden porösen Thonkrüge, und
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