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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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A. Nordafrika. — I. Die Mittelmeerländer.

Heimat der „Ghawazi”, jener Tänzerinnen, die in Aegypten eine unerlässliche pikanteBeigabe zu allen öffentlichen und privaten Belustigungen sind. — Nach Kene folgeneinige Ortschaften — Kuft, Kus, Denfik — mit unbedeutenden antiken Resten. DasNilthal erweitert sich plötzlich zu einem weitläufigen Becken, in welchem sich einstdie berühmte Hauptstadt von Oberägypten, das „hundertthorige Theben”, ausbreitete.

Die Denkmäler von Theben.

Sie sind das Grossartigste, was aus der alten Culturwelt auf unsere Zeit über-kommen ist, wahre Prachtmonumente, darunter Riesenbauten, die auf der ganzenErde ihresgleichen nicht haben. Der ganze Ruinencomplex des alten Theben wirdvom Nil in zwei Abschnitte getheilt, von denen der Abschnitt auf dem rechten (öst-lichen) Ufer die Ruinengruppen von Luksor und Karnak,' jener auf dem linken(westlichen) Ufer die Reste der zahlreichen Tempelanlagen der Nekropolis in sichbegreift. Theben war die Residenz der Könige der XI. bis XX. Dynastie der soge-nannten „thebanischen Periode” und erlebte seinen grössten Glanz unter den Rames-siden, besonders unter Ramses II. (dem „Sesostris” der Griechen). Bei den Griechenhiess Theben „Diospolis”, bei den Aegyptern „T’Ape”.

Was die Denkmäler anbetrifft, erwähnen wir zuvörderst den grossen Tempelvon Luksor, in den ein Theil des Dorfes (nach welchem das antike Bauwerk denNamen hat) hineingebaut ist. Der Tempel ist ein Werk der Könige Amenophis III.und Ramses II. Besonders grossartig sind die mächtigen Säulenreihen, zwei ver-stümmelte Kolossalfiguren Ramses’ II. am Hauptpylon (Eingangsthor), und einigePartien im Inneren der aus zwei Haupthöfen, einem Säulengang, einem aus 32 Säulen(in vier Reihen) bestehenden Säulensaal und anderen Räumlichkeiten zusammen-gesetzten Tempelanlage. — Die Tempelgruppe von Karnak, welche 2 Kilometer nord-östlich von Luksor liegt, bildet die Krone der thebanischen Alterthümer. Die gross-artigen Ruinen bilden zwei Abschnitte: den nördlichen, den mittleren und den süd-lichen Tempelbezirk, von denen eigentlich nur der mittlere von hervorragendemInteresse ist.

Hier ist der grosse Ammonstempel das wichtigste Object. Es besteht ausTempelanlagen aus verschiedenen Zeitepochen und beträgt der Zeitabstand zwischender Errichtung des ältesten und jüngsten Bauwerkes nicht weniger als 2000 Jahre!Ein einheitlicher Plan ist nicht zu erkennen. Die einzelnen Theile sind: der Haupt-pylon, der eine Länge von 110 Meter und eine Höhe von 43 Meter hat. Der grosseVorhof des Ramses II. und dahinter der riesige hypostyle Saal mit 134 aufrecht-stehenden kolossalen Säulen, von denen die grössten 21 Meter Höhe und IO MeterUmfang haben. Dieser Säulensaal ist eines der imposantesten Denkmäler allerZeiten. Die Deckplatten und Architraven stehen nur mehr zum Theile, einige Säulenneigen sich zum Sturze. Dieses Wunderwerk wurde von Ramses I. begonnen, vonSeti I. fortgesetzt und von Ramses II. vollendet. — Gegenüber dem hypostylen Saaltreten die übrigen Bauwerke des Ammonstempels ganz in den Hintergrund. Zu er-wähnen sind: der völlig in Trümmern liegende dritte Pylon Amenophis’ III., derObelisk Totmes’ I., der zerstörte vierte Pylon, das Sanctuarium, die hieran schliessendenReste der ältesten, von Usurtesen I. errichteten Tempelanlagen. Am äussersten Ende,mit einem Schuttfeld dazwischen, liegt der grosse Pfeilersaal Totmes’ III. Zu erwähnenwäre noch eine Karyatidenhalle ausserhalb der Tempelmauer. — Der nördlicheTempelbezirk begreift mannigfache, aber wenig ausgedehnte Ruinen, deren hervor-ragendsten die Tempelanlage Amenophis’ III. und ein reich mit Sculpturen ge-schmücktes Thor von Ptolemäos III. sind. — Der südliche Tempelbezirksteht mit dem mittleren durch eine Allee von stark zerstörten Sphinxen in Verbindungund enthält unter Anderem den Muthtempel mit den löwenköpfigen Standbildern derGöttin Pacht im Kranze um einen kleinen See: schwarze Granitkolosse von unheim-lichem Aussehen.

Die Todtenstadt von Theben erstreckt sich am westlichen Ufer des Nils. Sieist reich an hochinteressanten Denkmälern, deren berühmteste die beiden Memnons-kolosse (Kolossalstatuen des Amenophis III.), das „Ramesseum” (Memnonium) unddie Trümmer einer Kolossalstatue („die grösste Bildsäule Aegyptens”) Ramses’ II.sind. — Eine zweite Denkmalgruppe befindet sich bei dem Koptendorfe MedinetHabu, mit dem Memnonium Ramses’ II. — Es folgen die „Gräber der Köni-

Tempel von Chargeh.

ginnen” in einem kleinen Thalkessel der libyschen Berge; De'ir-el-Medinet miteinem Tempel der Hathor; Kurnet Murrai', mit Gräbern; Scheich Abd elKurna, gleichfalls mit interessanten Gräbern; dann Deir-el-Bahri mit einem merk-würdigen Terrassentempel; El Assassif mit Gräbern, und schliesslich Kurna miteinem von Seti I. begonnenen, von Ramses II. vollendeten Tempel. — Dahinter, inden libyschen Bergen, befinden sich die „Gräber der Könige” der XVIII., XIX.und XX. Dynastie, also aus der letzten Zeit der thebanischen Periode. In den Felsender libyschen Berge befinden sich übrigens unzählige Massen gewöhnlicher Gräber.

Das Nilthal von Theben bis Assuan.

Hervorragende Denkmäler finden sich auf dieser Strecke nur mehr in Es neund Edfu; dort ist es ein Tempel Totmes’ III. mit halb unterirdischem Säulensaal,hier der prächtig erhaltene Horustempel aus der Ptolemäerzeit, welche bemerkens-werth sind. — Nach Passirung des Selsele-Defiles gelangt man nach Kom Ombo,mit einem Tempel des Ptolemäos V., schliesslich nach Assuan, mit den InselnPhilae und Elephantine, erstere mit dem berühmten Isis-Tempel Nektanebos’I.,einem Bauwerk, das sich „wie ein Märchenbild aus dem Nil, der hier seeartig erweitertund spiegelglatt ist, erhebt”. Auch die westlich von Philae gelegene Insel Bige trägtRuinen, und zwar die Reste eines Ptolemäer-Tempels mit einer Kolossalfigur Ameno-phis’ II. zur Seite. — Assuan, das auf der Stelle des antiken Syene liegt, ist einkleines, seines Handels wegen bemerkenswerthes Städtchen. Südlich von Assuan dehntsich der erste Katarakt, eine Reihenfolge von Stromschnellen, welche durch dieden Strom durchsetzenden Syenitklippen gebildet werden.

Das Gebiet von Oberägypten reicht noch über Assuansüdwärts hinaus, und zwar bis zum zweiten Katarakt vonWadi Haifa. Neben Felsengräbern und anderen zum Theilgrossartigen antiken Denkmälern ist auf dieser Strecke besondersKorosko zu nennen, von wo die Karawanenstrasse die grosseNilbeuge abschneidet, indem jene durch die nubische Wüste

zieht und bei AbuHammed wieder aufden Nil stösst. —Südlich vom zweitenKatarakt beginnt Nu-bien, das Gebiet zwi-schen dem Nil — derhier seine grosseAus-biegung nach Süd-westen und über We-sten nach N orden voll-führt — und dem Ro-then Meere. Hauptortdieses Gebietes istDongola, dermalender südlichste Po-sten der ägyptischenMacht. Südlich hier-von beginnt das neue„Reich des Mahdi”.Zu Nubien gehörtauch die HafenstadtSuakim am RothenMeer, die Einbruchs-station nach dem öst-lichen Sudan; seit Be-ginn der insurrectio-nellen Bewegung imvormals ägyptischenvSudan ist die Kara-wanenstrasse von Su-akim nach dem In-

Die Nil-Katarakte bei Assuan.