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Die Inseln.
1. Die Inselndes Indischen Oceans.
Dieses insulare Gebiethat nur wenige, durchwegsunansehnliche kleine Archi-pele und einzelne oceanischeEilande, zugleich aber eineder grössten Inseln auf un-serem Planeten — Mada-gaskar. Von der bereitsgeschilderten Insel Sansi-bar (vgl. S. 397) abgesehen,gehören zum afrikanischenAbschnitte des IndischenOceans: die kleinen Gruppender Mascarenen, der Co-moren, der Amiranten,der Seychellen und dieInsel S o k o t r a (oder So-kotora).
1. Madagaskar.
Dem dunklen Erdtheile gegenüberliegend und mit ihm die von den Seefahrerngefürchtete Strasse von Mocambique bildend, ist Madagaskar verhältnissmässigweit weniger durchforscht als irgend ein Küstengebiet des Festlandes von Afrika.Bis zum Anfänge des 19. Jahrhunderts war die Insel unter eine grosse Zahl vonunabhängigen Völkerschaften vertheilt; in neuerer Zeit (1810) hatte sich aber einHowahäuptling, Ra dam a I., als Eroberer und Organisator hervorgethan, den grösstenTheil der schönen Insel unter seine Herrschaft gebracht und so das „König-reich Madagaskar” gegründet. Radama I. begann mit fremden Mächten, haupt-sächlich mit England, in Beziehungen zu treten, doch wurden letztere wieder unter-brochen, als im Jahre 1828 die Königin Ranavalona I. zur Herrschaft gelangte.Im Jahre 1861 bestieg deren Sohn, als Radama II., den Thron des madagassischenReiches, mit dem zunächst die Franzosen in näheren Verkehr traten. Im Jahre 1863gelangte, in Folge einer Empörung, Radama’s Gemahlin, die Königin Rosaherina,auf den Thron. Mit ihr schlossen England und die Vereinigten Staaten von AmerikaHandelsverträge. Dieser Herrscherin folgte am I. April 1868 die Königin Ranava-lona II.; seit 1882 steht die Königin Ranavalona III. an der Spitze der Regierung.
Madagaskar zeichnet sich durch zahlreiche tief eingeschnit-tene Buchten aus, namentlich an der Nordwestseite; die Küstensind im Allgemeinen flach und von einer 15 bis 150 Kilometerbreiten Ebene umsäumt, mit Ausnahme der Nordseite und derSüdostseite. Nach dem Inneren steigt das Land zu Gebirgenund Hochebenen bis zu 1950 Meter an und wird seiner ganzenLänge nach von dem Gebirge der Amobotismenen durch-zogen, welche in den Ankaratra-Bergen den Tsiafajavonamit 2908 Meter als höchsten Gipfel tragen.
Die Insel ist gut bewässert; zahlreiche Flüsse kommenaus den Gebirgen herab, worunter der 525 Kilometer langeIkopa, der als Betsiboka in die Bembatukabai mündet.
Das Klima ist in der Küstengegend sehr heiss und un-gesund, auch den Eingeborenen, welche an Wechselfieber undGallenkrankheit leiden, unzuträglich. Auf den Hochebenen undin den gebirgigeren Theilen dagegen ist das Klima gesund.
Madagaskar hat einenFlächeninhalt von 591.964Quadratkilometer. Die Zahlder Bewohner wird mit 3V2Millionen angegeben, wovoncirca 17 Millionen Ho was,0-5 Sakalawen, 0*3 Vesen,der Rest Inder, Araber, Ne-ger und andere Fremde sind.Die Ho was sind dem Namennach Christen (Presbyteria-ner) ; sie sind malayischenStammes und derzeit dieherrschende Rasse auf derInsel. Die Sakalawen sindeine Mischlingsrasse, des-gleichen die Vesen. Unterden Howas bilden die könig-lichen Geschlechter der Ma-ruserananen und der An-drewulen besondere Stäm-me oder Kasten. (UeberVolksstämme von Madagaskar vgl. Seite 374.)
Von den Erwerbszweigen der Bewohner ist der Handelbesonders wichtig. Die bedeutenderen Ausfuhrartikel sind: Rind-vieh, Häute, Wachs, Kautschuk und Gummi; die Einfuhr bringtvorherrschend Rum. Von den zahlreichen guten Häfen stehennur Tamatave und Majunga mit der Hauptstadt in Verbindung.
In politischer Beziehung bildet das Land der Howas den Kern des mada-gassischen Königreiches. Es begreift das Innere der Insel in sich, den gut bevölkertenTheil der Hochebene zwischen dem 16. und 19. 0 Südbreite. Die ganze Insel ist in20 Provinzen eingetheilt.
Einzelne Küstenpunkte und mehrere kleine Eilande, welche der Hauptinselvorliegen, befinden sich theils seit Langem, theils seit jüngster Zeit in den HändenFrankreichs. Zu den älteren Besitzungen zählen die kleinen Inseln Sta. Maria deMadagaskar (Nossi Bureh), Nossi Be, Nossi Luwa, Nossi Cumba und NossiMitsiu. Der älteste französische Besitz ist Sta. Maria (an der Ostküste), das bereitsim Jahre 1692 (zugleich mit dem Küstenpunkte im Südosten der Hauptinsel, inwelchem das „Fort Dauphin” erbaut wurde) annectirt worden war. Durch die An-griffe der Howas ging diese Colonie wiederholt verloren; im Jahre 1811 fiel sie sogarvorübergehend an England. Durch den Friedensvertrag mit dem König Radama II.vom Jahre 1862 wurde Sta. Maria definitiv den Franzosen zuerkannt, doch ist es
diesen bisher nicht gelungen, annehmbare Zustände auf dem Eilande zu schaffen. _
Besser bestellt ist es mit Nossi Be, dem administrativen, politischen und commer-ciellen Mittelpunkte der madagassischen Colonien Frankreichs. Der Regierungssitz istHelville in prachtvoller Lage am flachen Gestade, mit fruchtbarer Umgebung. —Von den übrigen Eilanden ist nichts Besonderes zu sagen.
Seit dem Jahre 1885 übt Frankreich, nach erfolgreichen mehrjährigen Kriegenmit dem Howareiche, die Schutzherrschaft über ganz Madagaskar aus. Frankreichunterhält auf Madagaskar 16.000 Mann Besatzungstruppen.
Hauptstadt des Howareiches ist Tananarivo (oder Antana-narivo, 70.000 Einwohner), eine ausgedehnte, aber zumeist nuraus Hütten und Gärten bestehende Stadt, in der die Palast-anlagen der früheren Herrscher, einige Kirchen, mehrere Bau-lichkeiten der Missionäre, der einheimischen Würdenträger und
fremden diplomatischenVertreter durch Grösseund Schönheit der Archi-tektur hervorragen.
Von grösserer Wich-tigkeit sind die Hafen-städte, und zwar Tama-tave (4000 Einwohner) ander Ostküste, mit einem(vormals königlichen) Pa-last und einem Fort; Ma-junga, an der Westküsteim Hintergründe der Na-rendabucht gelegen, durchlebhaften Handel mit San-sibarhervorragend ; Boin a,gleichfalls an der West-küste.
Im Lande der Sakalawen,dessen grösster Theil durch langeZeit von einer mächtigen Königinbeherrscht wurde, ist Moroa-Be,einst Residenzstadt, bemerkens-werth. — Das Land der Antawarenerstreckt sich längs der Ostkiistebis südlich vom Hafen Lukas; dersüdliche Theil bewahrt noch seineUnabhängigkeit. — Das Land derBetanimenen ist das fruchtbarsteund bevölkertste Küstenland derInsel und begreift die ganze öst-liche Küste bis Manuru an der
Helville, Hauptstadt auf Nossi Be. ,
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Antananarivo.
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