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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Die Polargebiete. Allgemeine Uebersicht.

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Gebiet des Robbenschlags bei Jan Mayen/ -/0'ß wul Robbimvanderungm nach diesem Gebiete

Das grönländische Gebiet des Walfanges und des Robbenschlages.

bröckeltes Eis dem Walfangnachtheilig ist. Die Thierehaben dann einen zu grossenRaum ; auf welchen sie sichvertheilen können und dieNachstellung wird umständ-lich und beschwerlich. Ueberdie Grenze der Südeisver-breitung giebt das nebenste-hende Kärtchen Aufschluss.

Scoresby und Gray gebenausführliche Daten über diejeweiligen Eisverhältnisse ineinzelnen Jahren und über diedamit verbundenen Jagdergeb-nisse. Capitän Gray sagt, dassdie Wal thiere nach und nachvon den Bänken bei Spitz-bergen und Grönland kommen,und gehen, je nachdem siedas Eis und die Nahrung ent-sprechend finden. In Bezugauf die Fischerei zu verschie-denen Zeiten und in verschie-denen Polhöhen sagt CapitänGray:Wenn das Eis östlichvom Meridian von Greenwichund näher der Küste vonGrönland sich erstreckt, pfle-gen sich die Wale bei Spitzbergen aufzuhalten. Wenn aberdas Eis bedeutend westlich von dem genannten Meridiansich erstreckt, finden sich nur kleine Fische und noch dazuspärlich südlich vom 75. 0 Nordbreite. Im Frühsommer gehendie Fische nördlich, soweit das Polareis sich öffnet; die kleinenFische verschwinden immer um Mitte Juni in den Tiefen desMeeres. Anders verhält es sich mit den grösseren Fischen;,man sieht sie im Mai und Juni ihren Lauf häufig nach Südennehmen; wenn dies eintritt, ist die Wahrscheinlichkeit vor-handen, dass sie wieder zurückkehren, bevor sie im Herbstesüdwärts ziehen. Capitän Gray bekämpft auch die irrthümlicheAnschauung, als träte der Wal in den Gewässern von Englandin grossen Massen auf. Er hat selten mehr als hundert gesehen.Interessant ist auch die Mittheilung, dass die Fische sich niedicht bei Land zeigen; sie dürften mit ihren Jungen einen un-bekannten Zufluchtsort aufsuchen.

Die Walerei ist, wie nicbt anders zn denken, mit grossen Gefahren verbunden.Dies gilt namentlich von dem "Wassergebiete von Arktisch-Amerika, wo die vielenCanäle zwischen den Inseln und die Baien demFischfänge ausserordentliche Schwierigkeiten inden Weg stellen. In der Mitte der Davisstrassetreiben enorme Eismassen, welche die Schiffepassiren müssen, um die Melvillebai zu ge-winnen, wo das Hauptstandquartier der Walfängerist. Bei ungünstigen Eisverhältnissen bringen dieFischer mitunter Monate auf dieser Fahrt zu. Inder Melvillebai sind übrigens schon ganze Flottenvon Walfahrern, mit IOOO Mann Besatzung unddarüber, zugrunde gegangen, doch konnten sichdie Mannschaften grösstentheils retten. Der Verlustbeziffert sich in solchen Fällen nach Millionen.

Die Schiffe, welche für die Eisfischerei,speciell für die Waljagd bestimmt sind, besitzeneine dem vorliegenden Zwecke entsprechende Aus-rüstung. Sie werden sehr stark gebaut, mit einerdoppelten Beplankung und mit einem eisernenVordersteven, der mit dem Holzsteven fest ver-bunden ist, und mit einer sogenanntenEisschnü-rung, welche vom Vordersteven bis zur Mitte desSchiffes reicht, versehen. Am Bug, vom Stevennach hinten, befinden sich 7 Meter lange eiserneSchienen, dieBugbänder. Eiserne Schiffe habensich im Eismeere nicht bewährt, da sie den furcht-baren Eispressungen viel schneller unterliegen. DieAusnützung der Dampfkraft gestattet es aller-dings, den Kampf mit den treibenden Schollenenergischer aufzunehmen und sich von der Wind-richtung unabhängig zu machen, doch habenDampfschiffe den Uebelstand für sich, dass siedurch ihr Geräusch die Wale vertreiben und über-haupt scheuer machen ... Von der Mittheilungüber die Art der Waljagd selbst müssen wir, derWeitschweifigkeit wegen, welche erstere bedingt,ab sehen.

Nächst dem Wale ist die Robbedas wichtigste Nutzthier der arktischenRegion. Auf dasselbe begründet sichdie Existenz eines weitverbreiteten

Volkes der Eskimo. Was den Hirtenlappen das Ren, das istden Eskimo die Robbe. Von ihr entnehmen sie alle Bedürfnisse,da der Boden ihnen durchaus nichts bietet. Sie kleiden sich vonKopf bis zum Fuss in das Fell der Robbe, ihr Fleisch dientzur Nahrung, aus den Sehnen des Thieres werden Schnüre,Flechten und Netze gedreht; der Thran liefert den Brennstofffür die Steinlampen, über deren Flammen die Eskimo kochenund die Kleider trocknen. Zum Robbenfang bedienen sich dieEskimo eines langen schmalen Kahnes, dessen Holzgerippe mitSeehundfellen überspannt und derart gedeckt ist, dass selbstbeim Umschlagen kein Wasser eindringen kann. Das eigenartigconstruirte Ruder fasst der Eskimo, der sich bei dieser Gelegen-heit auch noch durch einen wasserdichten Kittel aus Seehunds-därmen schützt, in der Mitte und greift bald mit dem rechten,bald mit dem linken Ende in das Wasser ein. Dabei hantirt erauch noch mit dem Wurfspeer und der Harpune. Verliert erdas Gleichgewicht oder wird er von einer schwimmenden Eis-scholle umgeworfen, so genügen einige Ruderschläge, um das

Fahrzeug wieder aufzurichten.

Als der Fang der Wale in den nordischenMeeren durch sinnlose Verfolgung dieser Thierekaum noch die Kosten, die man darauf aufge-wendet hatte, lohnte, hatten sich viele Walfängerauf die Robbenjagd verlegt. Die Robbenjägerwurden von den Waljägern freilich als Abtrünnigeangesehen und verächtlich behandelt. Die Robben-jagd ist in der That nichts weniger als eine Jagdnach herkömmlichen Begriffen. Von Gefahren undAnstrengungen ist bei der Robbenjagd keine Rede,denn die Thiere, welche sich zu Tausenden aufden sogenanntenSeehundswiesen (treibendenoder feststehenden Eismassen) einfinden und ausser-halb des Wassers vollkommen hilflos sind, werdenmit Knütteln und Eisenstöcken haufenweise er-schlagen.

Der Schauplatz der Robbenjagden sind dieKüsten und Inseln von West-Grönland, Neu-fundland, Neuschottland und der die InselJan Mayen umgebende Theil des ArktischenOceans. Es giebt zahlreiche Geschlechter undArten von Robben, deren Unterscheidung aberim Grossen und Ganzen von nebensächlicher Be-deutung ist. Quennerstedt unterscheidet dieGrön-landrobbe und die sogenanntenKlapp-mützen; Rink unterscheidet in West-Grönlandfünf Seehundarten. Die Klappmütze ist von ihrenübrigen Geschlechtsgenossen leicht dadurch zuunterscheiden, dass sie kräftiger gebaut ist undzur Seite der Nasenlöcher zwei bewegliche Haut-lappen hat. Die Landrobbe, welche sich vor-zugsweise an den Küsten Grönlands und der In-seln, namentlich Spitzbergens, vorfindet, wird seltenerlegt. Robben, die bereits im Wasser waren,können nicht geschlagen, sondern müssen ge-schossen werden; man hat hierbei achtzugeben,dass das Thier nicht zu nahe am Rande desEises erlegt wird, da es in diesem Falle so-fort wie ein Stück Blei untersinkt, wenn es insWasser fällt.

DasAbspecken des getödteten Wales.

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