Der Franz Joseph-Fjord in Ostgrönland.
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Die Landqebiete der Polarreqionen.
I. Die arktische Region.
Um den Nordpol herum, beziehungsweise innerhalb einerZone zwischen dem 83. 0 und dem 70.° Nordbreite, lagert sich einKranz von Inseln, welcher an mehreren Stellen durch offenesMeer unterbrochen ist und in der ausgedehnten Landmasse vonGrönland gewissermaassen seinen Kern hat. Dieses letzteregreift mit seiner Südspitze weit nach Süden hinaus, so dass dessensüdlichstes Ende, das Cap Farewell (oder Statenhuk), auf diegeographische Breite von Christiania und St. Petersburg zuliegen kommt. Alle diese Länder, welche namentlich im Nordenvon Amerika einen vielgestaltigen Archipel von zahllosen Inselnund Eilanden bilden, sind das ganze Jahr über unter Schnee-und Eismassen begraben. Nur einzelne Striche verlieren währenddes kurzen Sommers, während dessen die Sonne durch Wochenoder Monate nicht untergeht, die Schneedecke und bekleidensich mit einer kümmerlichen Vegetation von Moosen und Flechten.
So weit unsere jetzige Kenntniss von der arktischenRegion einen Schluss auf die Gestaltung der jenseits der be-tretenen oder gesehenen Theile des insularen circumpolaren Lan-des gelegenen Region zulässt,scheint die Annahme von derExistenz eines gegen den Polhin offenen Meeres trügerisch zusein. Die Scheitelpunkte unseresPlaneten sind unzweifelhaft derErstarrung innerhalb ungeheurerund unerreichbarer Eismassenanheimgefallen. Auf diese An-nahme gestützt, konnte JuliusPayer die Meinung aussprechen,wonach die Erreichung des Poleserst dem Zeitalter der ausgebil-deten Luftschifffahrt Vorbehaltenbleiben werde.
Ueber die allgemeine geo-graphische Gestaltung der ark-tischen Region haben wir bereitsin der Einleitung zu diesem Ab-schnitte eine orientirende Ueber-schau gehalten. Man unterschei-det folgende Unterabtheilungeninnerhalb des Nordpolargebietes:
1. Das arktische Amerika . .
2. Grönland
3. Jan Mayen
4. Spitzbergen mit der Bäreninsel
5. Franz Joseph-Land.
6. Nowaja Semlja und Nebeninseln
7. Die Neusibirischen Inseln . .
8. Die Wrangel-Insel.
Das arktische Landgebiet umfasst also circa 3,743.113 Q.-Klm.
Bewohner (Eskimo) finden sich nur an den Küsten vonGrönland und auf den südlicheren Inseln von Arktisch-Amerika.Ihre Gesammtzahl dürfte 20.000 Seelen nicht übersteigen.
Die Topographie dieser Polarländer weist eine Unmassevon Namen auf, welche den vielen Vorgebirgen, Sunden, Inseln,Bergen, Gletschern und Küstenstrichen beigelegt sind. Wirwerden eine Anhäufung solcher Namen, welche ohnedies aufden betreffenden Karten eingetragen sind und im Grossen undGanzen eine Gedächtnissbelastung von zweifelhaftem Wertheabgeben, unterlassen und uns nur mit der Natur dieser Länderin Kürze befassen.
i. Arktisch-Amerika. Dieses Gebiet umfasst einen man-nigfaltig gegliederten Archipel, welcher zu beiden Seiten dersogenannten Nordwestpassage — dem Durchfahrtsmeere zwi-schen Grönland und der Beringstrasse — liegt. Die Hauptgruppedieses Archipels ist der Nordküste von Labrador vorgelagertund beginnt von Süden her mit der grossen Doppelinsel Baffin-land (nächst Grönland dem grössten Landgebiete der arktischen
Region), welche mit Westgrön-land die Baffinbai einschliesst.Diese letztere bildet in ihremsüdlicheren, engeren Theile dieDavisstrasse, das Thor zu dembisher erreichten nördlichstenTheile des Nordpolargebietes —dem Lincolnsund — jenseitsdes 83.° Nordbreite.
Vom nordwestlichen Endeder Bäffinbai zweigen sich näm-lich drei Passagen ab. Die einederselben ist der Smithcanal,welcher in den Smithsund mün-det, direct nach Norden verläuft,wobei zwischen Grönland imOsten und Grinnellland imWesten nochmals eineVerengungstattfindet, welche derKennedy-canal genannt wird. Jenseits desletzteren behält die Durchfahrtdurch mehrere Breitegrade ihrecanalartige Gestalt bei und mün-det endlich in den Lincolnsund. In diesem befindet sich derbisher erreichte nördlichste Punkt in 83° 20' Nordbreite, biswohin die englische Expedition unter Markham am 12. Mai 1876gelangte. Die Hoffnung, hier ein offenes Meer, welches dasVordringen gegen den Nordpol ermöglichen sollte, vorzufinden,hat sich nicht erfüllt.
Ueberhaupt ist das Vordringen selbst bis zu den angege-benen Breiten von Zufälligkeiten abhängig, dass die bisher er-zielten Resultate als das Maximum derselben angesehen werden
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Cap Felix auf King ‘William-Land (Arktisch-Amerika).
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. mit circa 1,300.000 Q.-Klm.
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70.000 „
50.000 „
92.000 „
26.000 „
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