Die Landgebiete der Polarregionen. — I. Die arktische Region.
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Kegel- und Tafelbergen, wie solchedem Basalt eigenthümlich sind, bildendie Bergsysteme auf Kaiser FranzJoseph-Land; nirgends waren Ketten-gebirge zu erblicken, fast alle Bergeragen bis zu gleicher Höhe auf, imMittel bis 800 Meter, im Südwestenbis zu 1600 Meter.
Einen ausgezeichneten Einblick in die Ver-hältnisse des Flächeneises (Packeises), wie esim Bereiche des „Tegetthoff” auftrat, gewinntman aus einem Berichte Weyprecht’s über diezur Befreiung des Schiffes aus seiner Umklamme-rung vorgenommenen Arbeiten. Es heisst unterAnderem darin: „Nach mühsamer, langwierigerArbeit war es uns gelungen, das Schiff von vornebis zum Grossmaste, also bis zur ungefährenHälfte, frei zu machen und vor dem Buge einDock auszusägen, in welches es gelegt werdenkonnte. An vielen Stellen konnten die Sägennicht gebraucht werden, da ihre Länge (nahezu4 Meter) geringer war als die Dicke des Eises.
Die tieferen Lagen mussten dann mit einemschweren Meissei herausgearbeitet werden. DieseArbeit war unendlich undankbar, da das Eis ingrösserer Tiefe meistens eine solche Zähigkeitbesass, dass es sich trotz der Schwere des ge-brauchten Meisseis nur in kleinen Brocken trennte.
Gelang es, mit einem glücklichen Sägeschnitt einetwas bedeutenderes Stück abzuschneiden, sotauchten grössere Massen von untergeschobenemEise empor.
Um Raum zu schaffen, musste jeder ab-gesägte Block zerkleinert und aus dem Wasserherausgeholt werden. Sehr häufig arbeiteten dieSägen derart, dass sich das unten angehängteGewicht zwischen zwei Lagen von Eis bewegteund bei dem Striche nach oben an die obereLage, bei dem Striche nach unten an die untereLage anstiess. Oft war der Spielraum zwischenbeiden so gering, dass sich die Säge nur wenige Handbreit bewegen konnte. Wardann die oberste Decke entfernt, so musste das darunter Liegende mit dem Meisseibearbeitet werden.
Wegen der grossen Zähigkeit des Eises blieb auch das Sprengen mit Pulverohne Erfolg. Wurde die Mine tief gelegt, so schlug sie unten durch, legte man siehöher, so schoss sie den Verschlusspfropfen des Bohrloches einfach nach oben hinaus.Das ganze Schiff zitterte und dröhnte bei jeder Explosion einer Mine, allein im Eiseselbst war die Wirkung fast Null. Wirklichen Effect erzielten wir nur bei schon ab-gesägten, nach allen Seiten frei schwimmenden Stücken, die wir zertrümmerten, umsie leichter aus dem Wasser schaffen zu können . . . Als wir das Schiff bis zumGrossmaste schon freigelegt hatten, oder wenigstens ganz freigelegt zu habenglaubten, stellte sich heraus, dass auf 7 Meter Tiefe eine neue Lage Eis begann,scheinbar aus einer grossen Platte bestehend, die sich über den Rand der abgesägtenoberen Decke weit nach vorn erstreckte. Je näher wir der hinter dem Schiffe, nurwenige Meter vom Steuer entfernt, aufgeworfenen Eismauer kamen, desto grösserfanden wir die Masse des untergeschobenen Eises und desto schwieriger wurde dieArbeit. Beim Steuer selbst berührten wir bei 9 Meter Tiefe noch Eis. Aus dieserZunahme des untergeschobenen Eises mit der An-näherung an die Eismauer lässt sich eine ungefähreVorstellung machen, welche Berge von Eis unterdieser selbst angehäuft gelegen haben müssen. Trotzaller Anstrengungen und trotz der unverdrossenstenBemühungen war es nicht möglich, die rückwärtigeHälfte des Schiffes vom untergeschobenen Eise zubefreien.”
Einige Inseln aus der Gruppe desFranz Joseph-Landes müssen von be-deutendem Umfange sein, weil sie dieTräger ausgedehnter Gletscher sind.
Die über 30 Meter hohen Abstürzebilden den gewöhnlichen Saum der Kü-sten. Charakteristisch für die Gletscherist ihre ins Graue spielende, seltenermatt grünblaue Farbe und geringe Zer-spaltung, ihr ausserordentlich grobkör-niges Eis, ihre geringe Mcränenentwicke-lung, ihr langsames Vorrücken, ihre an-scheinend mächtigen Jahresschichten, ihre schon mit etwa 314Meter beginnende Firngrenze, während beispielsweise die letzterein Grönland und Spitzbergen erst bei 628 bis 942 Meter ihrenAnfang nimmt. (In Island wurde sie bei fast 942 Meter, in dersüdlichen Häfte nach Rink bei 628 bis 942 Meter beobachtet.)Fast alle Gletscher reichen bis zum Meere herab; ihre Zerklüf-tung ist selbst bei den schroffsten Neigungsverhältnissen ge-ringer, als die in unseren Alpen.
Die Vegetation auf Franz Joseph-Land erwies sich überalläusserst dürftig; sie steht tief unter derjenigen von Spitzbergen,von Grönland und von Nowaja Semlja. Wenngleich die Jahres-zeit, in welcher die Reisenden das Land besuchten, diejenigewar, in der das Pflanzenleben sich erst zu regen begann, unddie Abhänge noch grösstentheils Schnee überdeckte, boten
gleichwohl selbst die günstig gele-genen schneefreien Niederungen keinanderes Bild; nirgends zeigte sicheine geschlossene Rasendecke voneinigen Quadratmetern Fläche. Selbstebene Flächen zeigten nur dürftigeGräser von Caiabrosa algida in blüthen-losen Büscheln, wenige Exemplarevon Saxifraga opposiiifolia und SilenaacauliSy selten das Hornkraut (Cera -stium alpinum) und den Mohn. Domi-nirend waren die Moose und Flechten.Treibholz kam zwar gewöhnlich vor,doch nur in äusserst g'eringer Menge.
Ueber die Provenienz dieses Treibholzeshat sich Weyprecbt in einerWeise ausgesprochen,die ganz besonders in Bezug auf die Theorie vomoffenen Polarmeer (oder dem Gegentheile) vongrösstem Interesse ist. Er erklärt, dass man überden Weg, welchen das auf Spitzbergen ange-schwemmte Treibholz verfolgt, im Unklaren sei.An der Südküste von Franz Joseph-Land ist,wie bereits erwähnt, wenig Treibholz vorhanden,während doch die Menge eine grössere seinsollte, wenn diese Küste auf dem directenWegeder sibirischen Eisdrift, welche dieses Holz mitsich bringt, läge. Wäre dies der Fall, dannmüsste das Holz jedenfalls in erster Linie inFranz Joseph-Land abgesetzt werden und erst inzweiter Linie auf Spitzbergen.
Aus der grösseren Menge von ange-schwemmtem Treibholz an der entfernter liegen-den Küste von Spitzbergen müsse man — nachC. Weyprecht — mit ziemlicher Sicherheitschliessen, dass sich die Hauptmasse des Treib-holz führenden Eises nördlich von Franz Joseph-Land vorüber und dann von Nordost direct aufSpitzbergen bewegt . . . Die Hauptmasse derBaumstämme, welche sich mit dem treibenden Eise bewegen, entstammt dem sogrossartig entwickelten sibirischen Strom Systeme. Wie man aus der Vertheilung desTreibholzes schliessen darf, kann sich nur ein kleiner Theil jenes Eises, welches dieProducte der sibirischen Flüsse mit sich führt, mit dem Eisstrome längs der ost-grönländischen Küste vereinigen. Das vereinzelte Auftreten von Treibholz an dieserletzteren Küste deutet darauf hin, dass das Eis, welches an ihr vorübertreibt, der U m-gebung des Poles und dem Meere imNorden, Osten und Westen der Be-ringstrasse entstammt, einer Gegend, in welcher keine bedeutenden Flüsse münden.
Es hat sich zwar die Theorie eingeschlichen, dass Grönland bis über den Polhinausreiche und mit dem Wrangel-Lande (nordwestlich von der Beringstrasse)Zusammenhänge. Dagegen spricht aber (nach Weyprecht) die Qualität und die Quantitätdes Eises, welches durch jenen Eisstrom dem Süden überliefert wird; durch die „Jean-nette-Expedition” 1880 ist überdies der Inselcharakter von Wrangel-Land festgestellt.Die Hauptmasse jenes Eises ist schweres Packeis, das jedenfalls aus demarktischen Inneren kommt. Wäre letzteres durch Grönland in zwei nicht zu-sammenhängende Hälften getheilt, so wäre die europäisch-asiatische die weit wenigerEis enthaltende und müsste sich, nach der Quantität des durch die grönländische
Drift aus ihr abgeführten Eises zu schliessen, amEnde eines jeden Sommers wenigstens so weit ent-leert haben, um der Schifffahrt keine unüberwind-lichen Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Leidersind wir bis jetzt immer nur zu sehr vom Gegentheileüberzeugt worden.
Das von der Expedition unter Nares am nörd-lichen Ausgange des Smithsundes beobachtete ent-schiedene Umbiegen der grönländischen Küste nachOsten deutet — nach Weyprecht — darauf hin, dassGrönland in 83 bis 84° Nordbreite, vielleicht auchhöher im Norden, sein nördliches Ende erreicht. Ausder Art und Weise der Eisentleerung müsse manmit grosser Wahrscheinlichkeit auf eine freie Ver-bindung mit dem ganzen Meere jenseits desPoles schliessen.
Franz Joseph-Land ist völlig unbe-wohnt; nirgends Hessen sich Spureneinstiger Ansiedlung auffinden. Im Südenist das Land mit Ausnahme der Eisbärenund der wandernden Vögel auch fastohne jedes Thierleben. Im Norden des 81. 0 Nordbreite warder Schnee mit unzähligen frischen Spuren von Füchsendurchzogen; gleichwohl wurde nicht ein einzigesmal eines dieserThiere gesehen; wohl aber wurden Fuchsexcremente vorge-funden und an einer Stelle auch Excremente vom Polarhasen.Die Vegetationsarmuth hindert das Vorkommen von Renthierenund Moschusochsen. Es ist jedoch nicht absolut ausgeschlossen,dass sich Renthiere in den westlicheren, unbetretenen Theilendes Landes vorfinden, dessen Natur sich dort derjenigen vonSpitzbergen, wo diese Thiere herrliche Weide finden, nähert.Von den grossen Säugethieren des Meeres war, ausser verein-zelten Zügen von Weisswalen, nur die gemeine Robbe (See-hund) häufig; das Walross sahen die Reisenden nur zweimal,auch da nicht dicht unter dem Lande. — Die Vögel, welche
Walrossjagd im Meere von Spitzbergen.
Schneehuhn.
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