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Die Landgebiete der Polarregionen. — I. Die arktische Region.
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auch auf Nowaja Semlja in reichstem Maasse auf. DieDoppelinsel ist langgestreckt, von Südwest nach Nordostorientirt und durchläuft in dieser Richtung etwa 6V2 Breiten-grade (von 71 0 33' bis zum 78. 0 Nordbreite). Die Küstensind fast durchwegs steil und zerrissen, zum Theil vonKlippen und Eilanden gesäumt. Im Westen und Nord-westen werden diese Küsten vom Spitzbergen-Meer,im Osten und Südosten vom Karischen Meer bespült.An dem Matotschkin-Scharr erheben sich Berge bis über1000 Meter; im Allgemeinen aber erreicht das Binnenland,welches nur im nordöstlichsten Theile Gletscher aufweistund Plateaucharakter hat, eine relativ geringe Höhe.
Im Südosten von Nowaja Semlja, von diesem durchdieKarische Strasse getrennt, liegt die InselWaigatsch,welche ihrerseits durch die Jugorische Strasse vomasiatischen Festlande geschieden ist.
Das Karische Meer, das im Osten von der Samojeden-Halbinseldes asiatischen Festlandes begrenzt wird, ist an seiner Mündung im Nordostenmeist von gewaltigen Packeismassen blockirt. Die Ursache hiervon ist, dassder Ob und der Jenissei, welche sich in das Karische Meer ergiessen und in
Der „Tegetthoff” im Eise (Nordlicht im Februar 1874).
in dem Gebiete zwischen Nowaja Semlja und Franz Joseph-Land angetroffen wurden, sind folgende: Möwen, Seeschwalben,Eissturmvögel, Alken, Teisten, Lummen, Eiderenten, Schnee-eulen, isländische Strandläufer und Schneeammern. Die meistendieser Vögel kamen auch an den Küsten des Franz Joseph-Landes vor.
Ueber die topographischen Details von Franz Joseph-Land— welche im Wesentlichen nicht mehr bieten, als eine An-häufung von Namen von Fjorden, Vorgebirgen, Buchten, Bergen,
Gletschern und Inselchen — können wir uns kurz fassen. Daserste Land, welches von Süden her erreicht wurde, ist dieWilczek-Insel; in geringer Entfernung von ihr, im Nordosten,liegt die Salm-Insel, durch deren Mitte der 8o.° Nordbreiteläuft. Im Nordwesten der letztgenannten Insel liegen zweigrössere Inseln, welche die Namen Mc. Clintock und Hallführen. Diese beiden Inseln, sowie das südwestliche Ende vonWilczek-Land (dem östlichen Landmassiv) decken den Eingangzu dem mit wachsender Breite in gerader Linie nach Nordenverlaufenden Austriasund.
Die erste Insel in demselben ist die Insel Wiener-Neu-stadt, welche hart unter der Küste von Zichy-Land (demwestlichen Landmassiv) liegt. Nördlich hiervon erfüllt einArchipel von etwa einem Dutzend Inseln den sich allmählichverbreiternden Austriasund. Auf der Ostseite tritt das Wilczek-Land weiter östlich zurück und sein Küstenrand wird von dem gewaltigenDovegletscher gesäumt. — Nördlich des vorerwähnten Archipels er-streckt sich der grössere Complex des Kronprinz Rudolf-Landes (vom82. 0 Nordbreite genau in seiner Mitte durchschnitten), das durch den Raw-linson-Sund von Wilczek-Land getrennt ist. Das Kronprinz Rudolf-Landbedeckt der Middendorff-Gletscher.
Im vorgenannten Rawlinson-Sund liegt in 82° 5' Nordbreite der nörd-lichste Punkt (beim „Cap Budapest”), welchen die SchlittenexpeditionJulius Payer’s (am 12. April 1870) erreichte. Jenseits dieses Punktes, überoffenes Meer hinweg, wurde noch anderes Land gesehen, welches sich innordwestlicher Richtung bis zum 83. 0 Nordbreite verfolgen liess. Alsäusserste Landmarke wurde das mächtige Vorgebirge des Petermann-Land genannten Complexes mit dem Namen Cap Wien belegt. — DemCap Wien gegenüber liegt, jenseits des hier sich bedeutend verbreitern-den Austriasundes, eine andere Landmasse, welche die Bezeichnung KönigOscar-Land führt.
Die Landreisen, welche Julius Payer auf Franz Joseph-Land unternahm, erstreckten sich nurin nördlicher Richtung. Zu gleichen Untersuchungen in westlicher Richtung vom Standorte des„Tegetthoff” gebrach es an Zeit. Immerhin konnte man in der angegebenen Richtung mehrereLängengrade weit Küstenränder mit zum Theil hohen Ufern („Cap Brünn”) und tief in das Landhineingreifenden Fjorden verfolgen.
Diese oberflächlichen Wahrnehmungen erhielten in den Jahren 1880 und 1881 durch LeighSmith, welcher die Küste auf einer Strecke von 7 Längengraden weiter nach Westen hin unter-suchte, eine feste topographische Grundlage. Aus ihr ist zu entnehmen, dass die von den öster-reichisch-ungarischen Nordpolfahrern entdeckten Inseln vor dem Eingänge zum Austriasund der öst-lichste Bestandtheil eines Archipels sind, der die Südküste von Zichy-Land auf einer Strecke von7 Längengraden begleitet. Zugleich konnte die nach Nordwesten sich fortsetzende Landmasse aufeine Entfernung von 7 Längengraden verfolgt werden und erhielt dieselbe den Namen Alexandra-Land. Zu ihm gehören die auf Seite 429 abgebildeten Vorgebirge Cap Neale und CapCrowther.
6. Nowaja Semlja (d. i. „Neuland”), das erste Glied der Polarländerim Norden von Asien, umfasst eine Bodenfläche von rund 92.000 Quadratkilo-meter, und ist eine Doppelinsel, deren beide Theile durch den Matotschkin-Scharr genannten Meerescanal von einander getrennt sind. Die südlichereInsel ist bedeutend kleiner als die nördliche Insel. Nowaja Semlja wurdewiederholt umschifft und ist dessen Kartenbild vollständig sichergestellt.Eine Eigenthümlichkeit aller Polarländer — die FjOrdenbildung — tritt
ein relativ seichtes Ufermeer verlaufen, durch ihre kolossalen Wassermassendas Eis, wenigstens im Sommer, nach allen Seiten hinausdrängen. TretenNordostwinde ein, so staut sich ein Theil des Eises auf, während ein andererTheil die Nordwestküste von Nowaja Semlja und die zwischen diesem und demFranz Joseph-Lande nach dem Sibirischen Eismeer sich öffnende Durchfahrtblockirt. Auf diese Weise konnte und musste die „nordöstliche Durchfahrt” (gleichder nordwestlichen Durchfahrt in Arktisch-Amerika) durch Jahrhunderte ein un-gelöstes Problem bleiben, da die Eisschranke nördlich von Nowaja Semlja einerseitsund jene, welche das Karische Meer bei seinem Uebergange in das Sibirische Eismeerzu verlegen pflegt andererseits, das Vordringen in das letztere unmöglich machte.
7. Die Neusibirischen Inseln. Der Abschnitt des Ark-tischen Oceans, welcher sich im Norden von Asien, von NowajaSemlja im Westen, bis zur Beringstrasse im Osten erstreckt,gehört zu den am wenigsten bekannten Theilen der Nordpolar-region. Eine vollständige Beschiffung des Sibirischen Eismeeresist bisher ein einzigesmal gelungen, durch Erick Nordenskiöld,der im August 1878 in das Karische Meer eingedrungen undbinnen wenigen Wochen bis in die Nähe der Beringstrassevorgedrungen war, wo er einfror und überwintern musste.
Wir kommen weiter unten auf diese epochemachende Eis-
meerfahrt, durch welche die „Nordöstliche Durchfahrt”bewirkt wurde, noch des Weiteren zu sprechen und verweilenvorläufig bei den der Nordküste von Asien vorgelagerten Neu-sibirischen Inseln, nächst der Wrangel-Insel dem einzigenLand im Sibirischen Eismeer. — Diese Inseln sind erst in jüng-ster Zeit (1886) durch Alexander v. Bunge und seine Begleitunguntersucht worden und besteht derzeit in der Kenntniss diesesTheiles der arktischen Circumpolarländer kaum noch eine Lücke.
Eispressung.