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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Die Landgebiete der Polarregionen. II. Die antarktische Region.

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Vergessenheit gerieth. Ljachow hat übrigens nur die nachihm benannte Insel aufgefunden; die anderen Inseln wurdendurch Hedenström im Jahre 1809 entdeckt und der ganzeArchipel nunmehrNeu-Sibirien genannt. Seit Bering warNiemand mehr durch die nach diesem Reisenden benannte Strasse,ins Sibirische Eismeer vorgedrungen. James Cook, der grosseErdumsegler, hatte zwar ein Jahr vor seinem Tode (14. Februar1 7 79) versucht, durch die Beringstrasse ins Sibirische Eismeereinzudringen, aber seine Absicht blieb unerfüllt.

Im Jahre 1820 hörte Wrangel zum erstenmale aus dem Munde von Jakuten,dass nordwärts des Cap Jakan zeitweilig Land sichtbar sei und dass diesesLand auch bewohnt sei. Wrangel, der nebenher mit der Thatsache zu rechnenhatte, dass elf Jahre vorher einer der Begleiter Hedenströms auf Neusibirien eine

verfallene Winterwohnung und das Wrack eines Schiffes von bis dahin unbekannterBauart aufgefunden hatte, wurde durch diese Nachrichten zu der Fahrt über dieBeringstrasse hinaus angespornt. Wrangel war aber in diesem Unternehmen so wenigglücklich als seine Vorgänger. Er konnte das fragliche Land weder erreichen nochüberhaupt sehen.

Damit war aber die Existenz dieses mythischen Landes keineswegs aus derWelt geschafft, denn im Jahre 1849 sah es Kellett im Nordosten von Swernij-Noss, und 1867 wurde es von dem Capitän/Long des WalfahrersNile topo-graphisch aufgenommen. Dieses weit ins sibirische Eismeer herabreichende Land mitseiner genau von Süd nach Nord streichenden Ostküste wurde von A. Petermann alsein Theil des nach seiner Ansicht die Nordpolarregion erfüllenden Festlandes oderArchipels erklärt. Die nordamerikanische Expedition derJeannette unter DelongsFührung hat, wie bereits oben erwähnt, im Jahre 1880 constatirt, dass dieses Landeine verhältnissmässig kleine Insel sei, weshalb der bis dahin übliche NameWrangel-Land inWrangel-Insel geändert wurde.

II. Die antarktische Region.

Im Gegensätze zu der vielfach gegliederten, von Land-massen umgebenen arktischen Region, ist die antarktische(oder Südpolar-) Region allseitig vom Weltmeere umgeben undvon den Continenten 9 bis 33 Breitengrade entfernt, und zwarreicht die Südspitze Amerikas am nächsten und ist jene vonAfrika am entferntesten. Die Erforschung der antarktischenRegion wurde durch J. Cooks Entdeckungsfahrten 1772 bis1775 begonnen und dadurch die Annahme eines mit Austra-lien zusammenhängenden Südpolarcontinents berichtigt. In denJahren 1819 bis 1823 sichtete Bel-lingshausen die ersten Landcom-plexe innerhalb des südlichen Polar-kreises, und zwar das Alexander-Land südlich vom Cap Hoorn.

In den Jahren 1830 bis 1843entdeckten Biscoe, Kemp, Balleny,

Dumont dUrville und J. C. Rosstheils innerhalb, theils unter demsüdlichen Polarkreise Landmassen,welche die Namen Graham-Land,

Enderby-Insel, Kemp-Insel, Ter-minationsinsel, Knox-, Budd-,

Sabrina-, North-, Clarine-, Ade-lie- und Victoria-Land erhielten.

Unter diesen Entdeckungen warhauptsächlich jene von Victoria-Landdurch J. C. Ross von Wichtigkeit.

Das Victoria-Land hat den Charaktereiner grossen hohen Landmasse, aufwelcher Ross den 3882 Meter hohenVulcan Erebus und mehrere andere,bis zu 4600 Meter ansteigende Berge(Mount Melbourne) entdeckte.

Im Jahre 1874 endlich entdeckteCapitänD allmann auf Graham-Landeinen grösseren Inselarchipel, wel-chen er Kaiser Wilhelm-Landnannte. Innerhalb der Treibeisgrenzeder Südpolarregion liegen ferner:

Die Sandwichgruppe (938Quadrat-kilometer gross), die von Neben-inseln umgebene Insel Süd-Ge Or-gien, die Prinz Edward-Inseln(413 Quadratkilometer), die Crozet-Inseln (3414 Quadratkilometer), dieKerguelen-Insel (3414 Quadratkilometer), die Macdonald-Insei (440 Quadratkilometer), die Nimrodgruppe und dieDoug-herty-Insel.

In klimatischer Beziehung bildet zum Theil bereits Feuerland mit seinenNebeninseln den Uebergang zur antarktischen Region. Südöstlich vom Cap Hoorn be-findet sich die kleine Gruppe der Shetlandinseln, welche Berge bis zu 2000 MeterHöhe, darunter einen Vulcan, aufweisen. Die Inseln sind stellenweise von Moos undKorallenflechten bekleidet und beherbergen eine Unmasse von Seevögeln, namentlichPinguinen. Auch an Robben und an anderen Thranthieren ist das die Shetlandinselnumgebende Meer reich. Im Süden von den vorgenannten Inseln erstreckt sich,bereits am Südpolarkreis gelegen, Graham-Land mit dem Kaiser Wilhelm-Archipel. Es folgt gegen Südwesten, bis an den 70. 0 Südbreite reichend, Alexander-Land, mit hohen, von mächtigem Küsteneis umgebenen Steilufern. Von hier be-gleitet durch nicht weniger als 200 Längengrade den 70. Parallelkreis in westlicherRichtung eine unermessliche Packeismasse, bis an deren Rand nur die älteren Polar-fahrer J. Cook und J. C. Ross vorgedrungen sind, ohne Spuren von Land zu ent-decken. Der höchste von Cook (im Januar 1774) erreichte Punkt liegt wenig nördlichdes 70.° Südbreite, während er am 180. Längengrade eine tiefe Einbuchtung gegenden Südpol vorfand, welche bis in 79 0 Südbreite reichte und an ihrem südlichen Ende

von einer mächtigen, bis 100 Meter hohen Eiswand abgeschlossen war. Auf der west-lichen Seite ist diese Einbuchtung von dem von J. C. Ross entdeckten Victoria-Land eingeschlossen. Der überraschend grossartigen Verticalausdehnung dieses ant-arktischen Gebietes wurde bereits gedacht. Da die gewaltigen Berge, wie Erebus,Terror und Mount Melbourne, unmittelbar vom Wasserspiegel aufragen und derzuletzt genannte Berg eine angebliche Höhe von annähernd 4600 Metern erreicht,bietet diese in völliger Erstarrung und Oede liegende Welt die Ueberraschung, dassman mit einem Blicke höhere Erhebungen denn an sonst irgend welchem Punkte derErde schauen kann.

Ob das zwischen dem südlichen Polarkreis und dem 70. 0 Südbreite durch etwa50 Längengrade nach W r esten sich erstreckende Wilkes-Land einen Landcomplex

für sich bildet, oder mit Victoria-Land zusam-menhängt, ist nicht sichergestellt. Auf denKarten ist eine Reihe von Landbruchstückenverzeichnet, welche verschiedene Namen führen.Ob es sich hier um eine mannigfaltig gegliederte,von hohen Steilufern eingefasste Küste, oder umeine Aneinanderreihung von Inseln handelt, istunbekannt. Ungeheure Packeismassen lagernauch hier vor den Landmassen. Wilkes-Landliegt dem Continent Australien gegenüber undhat fast die gleiche longitudinale Ausdehnungwie dieses, doch hat ersteres durch seine naheLage am Südpol eine beiweitem kürzere Linear-ausdehnung, als die Südküste von Australien.

In jenem Bereiche, wo der antarktischeOcean und der Indische Ocean ihre Fluthenvermengen, ist allenthalben offenes Meer. Eswurde in seinem östlichen Theile im Jahre 1874von Nares befahren. Bereits in den IndischenOcean hineinreichend, nämlich in 50 0 Südbreiteund in 70 0 Ostlänge (von Greenwich), liegt diereichgegliederte, von zahlreichen Canälen undFjorden durchrissene Kerguelen-Insel, derenhöchste Erhebung, der Richardsberg, bis zu1220 Meter ansteigt. Die Insel, welche trostlosöde, aber durch das Vorkommen von Stein-kohlenlagern von Wichtigkeit für die Beschiffungjenes Oceanabschnittes ist, wird von einer grossenZahl von Eilanden und Klippen umsäumt. Süd-südwestlich von der Kerguelen-Insel, am Polar-kreise gelegen, befinden sich die Enderby-Insel und die Kemp-Insel, westlich von derKerguelen-Insel (in der Richtung gegen dieSüdspitze von Afrika) die Crozet-Inseln unddie Prinz Edward-Inseln. Die Crozet-Inseln,mit der Hauptinsel Possession-Island, be-stehen aus einer Gruppe von fünf Eilanden,welche sich steil aus dem Meere erheben und vonprachtvollen Nadelbergen überragt werden. Diehöchsten Spitzen erreichen 1500 Meter Seehöhe.Etwas niedriger sind die Prinz Edward-Inseln(mit Gipfeln bis 1280 Meter), welche mit ihrenzahlreichen Kratern einen Anblick wilder Ver-ödung darbieten. Die Eilande sind von einerUnzahlbrütender Albatrosse, welche von hier aus weite Strecken des Oceans durchmessen, belebt.

In dem Raume zwischen der Südspitze von Afrika<und dem Cap Hoorn findensich einzelne Inseln und Inselgruppen verstreut, von welchen die vulcanische Sand-wichgruppe, die mit vielen, des Eises wegen aber unzugänglichen Häfen undBuchten ausgestattete Insel Süd-Victoria und die Gruppe der Süd-Orkney-inseln zu erwähnen sind. Die letztere Gruppe besteht aus fünf grossen und vielenkleineren, blos von Robben und Seevögeln belebten, gewöhnlich von Nebeln um-lagerten, oder von heftigen Stürmen umbrausten Inseln, aus deren Innerem hohe,schneebedeckte, aber völlig vegetationslose Berge aufsteigen. Die Süd-Orkneyinselnliegen südlich vom 6o.° Südbreite und schliessen mit den weiter südwestlich liegendenEilanden Clarence-Insel, Elephanten-Insel, Joinville-Insel an Graham-land an. Damit ist der Ring, den wir um den Südpol herum verfolgt haben, geschlossen.

Zum Schlüsse mögen noch einige Bemerkungen über dieEisverhältnisse im antarktischen Gebiete an dieser StellePlatz finden. Die Eisverhältnisse der Südpolarregion sindwesentlich verschieden von jenen in der Nordpolarregion. Dergewaltige Seegang des überallhin offenen Meeres verhindertdie Bildung von Flächeneis in der Ausdehnung, wie sie der

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Capitän John Ross. (Nach einem alten Kupferstich.)

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