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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Weltverkehr. — B. Die Verkehrsmittel zu Land.

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er in Gestalt der Locomotive seinen Einzug halten und die eiserne Saatin den Boden legen, der für solche Keime, sei es wo immer, eine unend-liche Triebkraft besitzt. Darin liegt der ungeheure Unterschied zwischen deran den Boden gefesselten Locomotive — wobei die räumlichen Verhältnisse,die sich nach allen Richtungen dem „Culturpfluge” dienstbar gestalten, einegrosse Rolle spielen — und dem an den Wasserweg gebundenen Flussdampfer,dessen Spur zuweilen so flüchtig ist, wie das nasse Element selbst.

Mit der Flussschifffahrt im innigsten Zusammenhängesteht die Canal Schifffahrt. Sie spielt im Binnenlandenoch immer eine hervorragende Rolle im Localverkehr,und ist in manchen Ländern auch für den Durchgangs-verkehr von grösster Wichtigkeit. Obwohl die Herstel-lung von Schifffahrtscanälen dem Bau von Eisenbahnlinienvoranging, hat man dem ersteren aus mancherlei wirth-schaftlichen Gründen auch fernerhin alle Aufmerksamkeitzugewendet, ja sogar während und nach der vollen Ent-wickelung des Eisenbahnwesens dem Schifffahrt sc analgrosse Aufmerksamkeit geschenkt.

Das älteste Canalnetz besitzt England, das relativausgedehnteste und räumlich abgerundetste Frankreich,das grösste Russland. Die grossartigen Canalanlagen inden Vereinigten Staaten von Amerika haben es er-möglicht, das in der Mitte der Unionsstaaten gelegeneChicago in directe Wasserverbindung mit dem Meere, demAtlantischen Ocean, zu bringen. Durch das russische Canalnetz(vgl. S. 180) ist eine ununterbrochene Wasserverbindung zwi-schen der Ostsee und dem Weissen Meer einerseits, und demSchwarzen Meere und dem Kaspimeer andererseits hergestellt.In Europa sind noch die Canalanlagen im südlichen Schweden,in Belgien und in Holland, sowie jene im Pogebiete in Nord-Italien bemerkenswerth. Auch Deutschland und Oester-reich-Ungarn besitzen kleinere Schifffahrtscanäle, welche vonWichtigkeit für die rein localen Verkehrsverhältnisse sind.

Auf aussereuropäischem Boden finden wir — wenn wir von Nordamerika ab-selien — nur eine grossartige Canalanlage, und zwar den „Kaisercanal” in China. Erist fast lo lang wie der Rhein und durchschneidet das Reich von Nord nach Süd,doch ist derselbe auf eine grosse Strecke durch die wiederholten Durchbrüche desHoang-ho trocken gelegt, und wird auch sonst für seine Erhaltung nichts mehr ge-than, da er angelegt wurde, um die Tribute der südlichen Provinzen ungefährdet vonStürmen und Seeräubern nach der nördlichen Hauptstadt zu bringen. Mit dem Kaiser-canal einerseits und mit den grossen Strömen andererseits steht ein ausgedehntesCanalnetz in Verbindung, wodurch das Reisen und die Waarenbeförderung in demsonst mit guten Communicationen sehr spärlich bedachten Reiche wesentlich er-leichtert wird.

In Afrika und Australien sind keine Canalanlagen von einiger Bedeutungvorhanden. Der Suezcanal gehört unter die Kategorie der interoceanischen Canäleund wird in dem Abschnitte über die Seeschifffahrt zur Sprache gebracht werden.

III. Die Eisenbahnen.

Wenn Ziffern imponiren — sagt v. Neumann-Spallart inseinen „Uebersichten der Weltwirtschaft” — so sind es dieauf die Eisenbahnen bezüglichen. Nichts vermag das Zeitalterdes Dampfes prägnanter zu verzeichnen, als die drei Zahlen: amSchlüsse des Jahres 1885 betrug das in den Eisenbahnen derErde investirte Capital 104.216 Millionen Mark, es wurden indiesem Jahre 2500 Millionen Reisende und 1300 Millionen Fracht-tonnen befördert. Im Jahre 1830 waren auf der ganzen Erdenur 332 Kilometer Bahnen im Betrieb; Ende 1887 wurde das

Bugsirboote für Canäle.

Amerikanischer Schlepper.

Eisenbahnnetz der Erde auf circa 548.000 Kilometer veranschlagt.Und nicht mehr in den vorgeschrittenen Staaten der westlichenVölkerfamilien allein, sondern auf allen Continenten und Insel-gruppen, in allen Ländern, die von der europäischen Culturüberhaupt berührt werden, hat die Locomotive Eingang ge-funden. Fast allenthalben sind die Hindernisse, welche sichfrüher dem Eisenbahnbau unüberwindlich entgegenzustellenschienen, technisch und ökonomisch behoben, und nur die Unter-nehmungslust und das Capital bestimmen den Entwickelungs-gang des Eisenbahnweses. Die Perioden des wirthschaftlichenAufschwunges und jene der Depression reflectiren sich regel-mässig in deren schnellerem oder langsamerem Anwachsen derkilometrischen Eisenbahnlänge und in dem mehr oder minderraschen Aufgreifen kühner Pläne.

Indem wir in dieser Abhandlung von der Geschichtedes Eisenbahnwesens absehen, gehen wir sofort auf dieEisenbahnen und Eisenbahnsysteme der einzelnen Länder über.

1. Die Eisenbahnen Europas.

a) Die Eisenbahnen Grossbritanniens und Irlands. Wie Londonder Centralpunkt des gesammten materiellen und geistigenLebens des Inselreiches ist, so gestaltet sich die Millionenstadtauch zum Brennpunkte des Verkehrs. Gleich den Arterien einesthierischen Organismus, die in dem Centralsitze des Lebens, demHerzen, zusammenlaufen, beziehungsweise von diesem aus-gehen, so pulsirt der enorme Verkehr Grossbritanniens von derWeltstadt nach allen Richtungen aus. Wenn es dem Menschenvergönnt wäre, aus der Vogelschau die ganze langgestreckte Inselmit einem Blicke zu überschauen, er würde des seltsamen Schau-spieles einer fast fortwährenden Bewegung auf dem Ge wirrevon Schienenstrassen, welche das Land engmaschig bedecken,theilhaftig werden. Es verkehren nämlich durchschnittlich imTage 27.000 Züge, welche etwa 2*5 Millionen Passagiere beför-dern und 1 Million Tonnen Güter ihrer Bestimmung zuführen.Es sind nicht weniger als 23.000 Kreuzungsstellen vorhanden.Die Zahl der Stationen geht ins Grossartige; London alleinzählt in seinem Weichbilde deren an 300. Ein ungeheueresRollmaterial (circa 16.000 Locomotiven, 45.000 Personen-wagen und 430.000 Güterwagen) dient zur Bewältigungder enormen Verkehrsbewegung.

Welche musterhafte Ordnung in diesem unvergleich-lichen Betriebe herrschen muss, damit Unglücksfälle ver-mieden werden, geht unter Anderem daraus hervor, dassdie Züge sich in kurzen Pausen folgen und eine grosseAnzahl derselben die vorangegangenen überholen muss.Dies bezieht sich nicht nur auf die Schnellzüge im Per-sonenverkehr, sondern auch auf die Eilgüterzüge, vondenen beispielsweise einige in London direct nach Liver-pool abgefertigt werden. Der schnellste Eilzug in Gross-britannien ist der sogenannte „Fliegende Schotte”, welcherzwischen London und Edinburgh verkehrt, 75 Kilometer inder Stunde zurücklegt und an 70 Züge zu überholen hat!

Es dürfte kaum nothwendig sein, darauf hinzuweisen,dass in den zahlreichen grossen Städten des Landes, welchezumeist die Centralsitze der wichtigsten seit vielen Jahr-zehnten blühenden Industriezweige sind, ein ähnlicherThätigkeitsdrang herrscht, wie in London. Die meisten

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