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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Weltverkehr.

C. Die Seeschifffahrt.

bootNew-Orleans die östlichen Ströme derVereinigten Staaten von Amerika. Das epoche-machende Ereigniss der ersten oceanischen Fahrtist mit dem DampferSavannah verknüpft, derim Jahre 1819 in 26 Tagen die Reise von New-York nach Liverpool zuriicklegte.

Im Jahre 1825 durchfuhr das erste Dampf-schiff derFalcon den Indischen Ocean,um das Cap der guten Hoffnung herum bis Cal-cutta. Im Jahre 1829 erfand der österreichischeMechaniker JosephRessel die Schiffsschraube,eine Erfindung, welche anfänglich wenig Aner-kennung fand, späterhin aber zu einer bedeut-samen Errungenschaft in der Schiffbaukunst sichgestaltete. Im Jahre 1837 wurde die entschei-dende Probewettfahrt zwischen einem Raddampferund einem Schraubendampfer angestellt, in wel-cher der letztere siegte. Der nächste Fortschrittwar die Verwendung des Eisens als Con-structionsmaterial für die Oceandampfer,obwohl bereits im Jahre 1820 der erste eiserneDampfer (derAaron Manby) von London ausin See gegangen war. Die grossartigste Anwen-dung der Eisenconstruction erfolgte beim Baudes RiesenschiffesGreat Eastem, welcher 1858vom Stapel lief.

Alle Hilfsmittel, welche die mo-derne Technik den Menschen bie-tet, gelangen auf jenen gewaltigenArbeitsplätzen, auf welchen dieschwimmenden Paläste hergestelltwerden, zur Anwendung. Das Haupt-element in der Construction ist na-türlich das Eisen; aus Eisen ist derKiel, sind die Spanten möglichstdicht aneinandergereiht sind dievielfachen constructiven Elemente,die Schottenwände, welche die einzel-nen wasserdichtenCompartimentsvoneinander trennen, und vieles Andere. Selbst die Mastenwerden jetzt aus Eisen, beziehungsweise aus Bessemerstahlhergestellt, da sie nicht nur im Gewichte leichter, sondernauch dauerhafter als hölzerne Masten sind. Die eiserne Be-mastung hatte zur Folge, dass man auch dasstehende Tau-werk durch Eisendraht ersetzte. Schliesslich mussten dievoluminösen, unhandlichen und kostspieligen, auch mancherleiFährlichkeiten ausgesetzten Ankertaue den solideren und dauer-hafteren Ankerketten weichen. Die höchste Potenz des Eisen-schiffbaues ist das moderne Schlachtschiff. Was schliesslichdie jetzigen Schiffsmaschinen anbetrifft, sind sie der vollendetsteDampfmechanismus, der überhaupt existirt. Das Dampfschiffist die Wünschelruthe des Menschen auf den Oceanen geworden.

In tausend lichten Spuren zieht derDampfschiffverkehr durch dieOceaneund rückt Raum und Zeit in engereGrenzen. Diese Verkehrsform isteine der grossartigsten Errungen-schaften des modernen Culturlebens;durch sie hat sich unser Gesichts-kreis beträchtlich erweitert und dieSchwingungen des Culturlebens aufweitgedehnte Wellenlinien, denenkein Land und kein Hafen zu weit,um sie nicht zu erreichen, übertra-gen. Durch die oceanische Dampf-schifffahrt ist eine Interessengemein-schaft der civilisirten Völker von un-übersehbarer Tragweite geschaffenworden; die Hilfsquellen wurden un-endlich vervielfältigt, der National-wohlstand gehoben und dem über-schüssigen Culturmaterial der altenWelt zahlreiche Ablagerungsstättenerschlossen.

Betrachtet man eine Karte, auf welcherdie Curse der oceanischen Dampfschifffahrt ein-gezeichnet sind, so nimmt man wahr, dass dieVerkehrslinien sich dort am meisten verdichten,wo der grösste Reichthum vorhanden ist, derlebhafte Arbeitsdrang sich bethätigt. Die Nerven-knoten dieses nur in mathematischen Liniensich ausprägenden Lebens sind die Meeresab-schnitte im nordwestlichen Europa. Vonhier gehen die Dampferrouten wie Strahlen-bündel von einem Brennpunkte dem Aermel-canal und der Nordsee aus. Dicht anein-andergedrängt liegen hier die bedeutendsten See-handelsplätze an den deutschen, holländischen,französischen und englischen Küsten. Die aus-schwärmenden Linien, welche das nordatlantische und das südatlantische Becken indichten Reihen durchfurchen, ziehen nach denjenigen Küsten der Neuen Welt, wogleichfalls eine Anzahl bedeutender Handelsplätze die Maschen dieses Verkehrsnetzesschliesst. Wenn wir über die culturellen Verhältnisse Amerikas auch gänzlich ununter-richtet wären: jenes Liniennetz müsste uns sofort darüber aufklären. Jene Linien,welche von Osten nach Westen ziehen, verdichten sich neuerlich wieder nur inkleineren Abschnitten, welche die reichsten und gesegnetsten der Neuen Welt sind:in den Handelshäfen der Union, Westindiens und Brasiliens.

Am zweitdichtesten zeigt sich das Netz der Dampfercurse im Mittelmeerbecken.In diesem engen Raume zwischen der alten und der neuen Culturwelt verläuft einförmlicher Nervenstrang des internationalen Seeverkehrs. Dieser selbst ist aber nichtausschliesslich ein localer, denn die Passage des Suezcanals gestattet dem Strangeeine weite, fast unendlich ausgedehnte Entwickelung über den ganzen südöstlichenWasserbereich der Erde. Die Hauptlinien aber verlaufen abermals dorthin, wo diewichtigsten Handelsinteressen vertreten werden und die meisten Naturschätze sichvorfinden: nach Ostindien und Ostasien, nach dem hinterindischen Archipel

und nach Australien.

Den dermalen nochwenig ausgebeuteten und fastausschliesslich den autocli-thonen Rassen gehörigenErdtheil Afrika umschwär-men nur einzelne Dampfer-linien im Westen und Osten.Unter den Oceanen fälltnamentlich der GrosseOcean durch seine wenigenDampfercurse auf. ZwischenAustralien und Südamerikazeigt die Karte nicht eineeinzige Verkehrslinie, zwi-schen Nordamerika und Ost-asien, beziehungsweise Au-stralien, nur zwei. Auch dieswird anders werden, wenndie Landenge von Pana-ma durchstochen sein wirdund das reiche maritimeLeben des nordatlantischenBeckens ein AbÜussthor mit-ten durch den amerikani-schen Continent gefundenhaben wird. Dann dürfteauch jene ungeheure Flächedes Grossen Oceans, welchederzeit von Dampfern nurnach einigen Richtungendurchfurcht wird, mit eiser-nen Oceanfahrern sich be-leben.

Gegenüber den zu-rückzulegenden Ent-fernungen und derVielzahl enorm lan-ger Weltlinien im See-

DieNormandie derCie. Generale Transatlantique.

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Chinesische Dschonke.