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Weltverkehr.— C. Die Seeschifffahrt.
El Kantara am Suez-Canal.
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c) Der Nordostsee-Canal. Derzeit im Bau begriffen, wirddieser Canal, dem eine Länge von 99 Kilometer zukommt, ober-halb von Brunsbüttel an der Elbemündung beginnen, vonda, unter Benützung der Kudensee- und der Hieselauniederungnach Wittenberge an der Eider gehen, dann sich dieser undspäter dem jetzigen Eidercanal anschliessen, und bei Halten auin die Kielerbucht einmünden. Die Tiefe des Fahrwassers wird8 Meter, die Breite des navigablen Wasserkörpers 60 Meter,die Breite der Canalsohle 22 Meter betragen. Die Gesammt-herstellungskosten sind auf 157*4 Millionen Mark veranschlagt,die Fahrzeit ist zu 18 bis 24 Stunden berechnet.
Der Nordostsee-Canal hat vorwiegend militärische Bedeu-tung, indem er . eine directe Communication für die in der Nord-see und in der Ostsee getrennt stationirten Flottenabtheilungendes Deutschen Reiches bildet. Der Canal wird die Operationender deutschen Kriegsflotte vollständig unabhängig von derSeestrasse um die Halbinsel Jütland und durch die Inselcanäledes dänischen Reichet machen. Zugleich wird mit dem Nord-ostsee-Canal dem zu erwartenden Handelsverkehr eine schnelleund sichere Durchfahrt gewährt. Durch ihn wird der Seeweg ausder Ostsee in die Nordsee um 237 Seemeilen abgekürzt, wobeiSegelschiffe mindestens drei Tage, Frachtdampfer 22 StundenFahrzeit ersparen werden. Der Canal soll im Sommer 1895 demVerkehr übergeben werden.
d) Der Canal durchden Isthmus von Korinth.
Dieser Canal, welchereine Länge von 6342Meter, eine Tiefe von8 Meter und eine Soh-lenbreite von 22 Meterhat, verbindet die (neu-angelegte) Stadt Posi-donia am Golfe vonKorinth mit Isthmiaam Golfe von Aeginaund soll im Jahre 1891eröffnet werden. DasAnlagecapital beträgt35 Millionen Francs. —
Durch die Herstellungdes Canals von Korinthwird die im Winter ge-fährliche Fahrt um dasCap Matapan (Südspitzevon Griechenland) ver-mieden, und den ausdem Adriatischen Meerekommenden Schiffen er-wächst ein Zeitgewinnvon 24 Stunden, oder einDistanzgewinn von 330Kilometer; für Schiffevon Genua, Marseilleund Neapel wird ein
Gewinn von 165 Kilometer, und selbst für die Fahrzeuge,welche durch die Meerenge von Gibraltar auf der Richtungnach dem östlichen Griechenland und Constantinopel verkehren,noch eine Ersparniss von 120 Kilometer erreicht.
e) Der Canal durch die Landenge von Perekop, welch letzteredie Halbinsel Krim mit dem russischen Festlande verbindet.Dieser Canal, dessen Bau im Jahre 1888 begonnen wurde, wirdvom Todten Meere (einer Einbuchtung des Schwarzen Meeres)über Perekop, nach Gendischesk am Azow'schen Meere geführt,erhält eine Länge von 118 Kilometer, eine untere Breite von21 Meter und eine Tiefe von 4 Meter. Die Kosten sind auf 85Millionen Rubel und die Dauer der Arbeiten auf fünf Jahre ver-anschlagt. Gegenwärtig muss man noch, um von Odessa nachMariupol am Azow’schen Meere zu gelangen, 434 Seemeilenzurücklegen; nach Fertigstellung des Canals wird dieser Wegnur mehr 295 Seemeilen betragen.
Ausser diesen im Bau begriffenen maritimen Canälen sind noch mehrere andereprojectirt, welche für die oceanische Schifffahrt mehr oder weniger von Bedeutungsind. Dazu gehören:
1. Der Canal zwischen Bordeaux und Narbonne, welcher den Golf vonBiscaya mit dem Mittelmeere verbindet und den weiteren Seeweg um die ganzeIberische Halbinsel abschneidet. Seine Länge würde 407 Kilometer betragen, dieKosten sind auf 550 Millionen Francs veranschlagt.
2. Der Malakkacanal. Durch seine Herstellung, d. h. mittelst eines Durch-stiches der an der Landenge von Kräh 109 Kilometer breiten Halbinsel Malakka,dessen Herstellungskosten auf circa IOO Millionen Francs geschätzt sind, würde derSeeweg von Vorderindien nach den Häfen Ostasiens um nicht weniger als 1500 Kilo-meter abgekürzt werden. Da die Herstellung dieses Canals dem blühenden EmporiumSingapore den Todesstoss versetzen würde, findet das Project von britischer Seite keineUnterstützung.
3. Der Floridacanal. Derselbe würde den gefährlichen Seeweg um die Halb-insel Florida, der zahlreiche Riffe und Bänke vorgelagert sind, abschneiden undüberdies um 1100 Kilometer abkürzen. Der Durchstich wäre an der Wurzel derHalbinsel und in völlig ebenem Terrain in einer Länge von 221 Kilometer herzu-stellen. Die Kosten sind auf 230 Millionen Francs veranschlagt.
4. Der Canal zwischen Pontus und Kaspisee, welcher das Innere Russlandsdem Weltverkehr erschliessen soll. Die Baukosten dieses 85 Kilometer langen Canalswerden auf 40 Millionen Rubel berechnet.
5. Der Canal zwischen dem Tyrrhenischen und dem Adriatischen Meere inItalien, ein Project, das von dem Ingenieur Vittore Brocca stammt. Derselbe sollbei Civita Vecchia am Tyrrhenischen Meere beginnen, dem Lago di Bolsena undLago Trasimeno Abzug gewähren, den Apennin quer durchschneiden und bei Fanodas Adriatische Meer erreichen. Seine Länge soll gegen 300 Kilometer, seine BreiteIOO Meter, seine Tiefe 12 Meter betragen. Neben diesem Riesenwerke würden sichdie übrigen intermarinen und interoceanischen Canäle sehr bescheiden ausnehmen.
6. Der Canal von Gabes. Durch diesen Canal soll nach einem älteren Projectdes (1885 verstorbenen) französischen Capitäns Roudaire das Depressionsgebiet dertunisisch-algerischen Schotts unter Wasser gesetzt und deren Ufergebiete dem Handelerschlossen werden. Dieses Project, welches durchaus nicht den erwarteten ökonomi-mischen Nutzen einbringen und zugleich auf eine Reihe nicht weiter zu erörterndetechnische und andere Schwierigkeiten stossen würde, ist auch unter dem Namen„Saharameer” bekannt. Thatsächlich aber würde die Oberfläche des künstlichenBinnenmeeres höchstens 13.000 Quadratkilometer einnehmen, das „Saharameer” so-nach von der wirklichen Sahara mit 6*3 Millionen Quadratkilometer nur den 485. Theil
betragen.
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Arbeiten am Panama-Canal.