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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
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Reitende Postboten und Telegraphenleitung in Ostsibirien.

D. Weltpost und internationaler Telegraphen verkehr.

I.' Weltpost.

Wenn irgend ein Verkehrsmittel die grossartige Ent-wickelung der internationalen Beziehungen in ihrer vollenUniversalität darzuthun vermag, sind es die Einrichtungen derWeltpost und des internationalen Telegraphenverkehrs.So uralt die Posteinrichtungen auch sind, und wenngleich die-selben unter allen heute in Betracht kommenden Verkehrsmittelndie einzige reiche geschichtliche Vergangenheit haben, datirtder gewaltige Aufschwung des Postwesens gleichwohl um nurwenige Jahrzehnte zurück. An ihm haftete bislang mehr Schwer-fälligkeit, als an irgend einem anderen Verkehrsmittel. Nochvor etwa einem halben Jahrhundert, als der Dampfbetrieb ebenseine Schwingen zu entwickeln begann, lag das Postwesennoch in Fesseln, welche Engherzigkeit und Kurzsichtigkeitdem beflügelten Boten der Völker angelegt hatten. Die Porto-sätze waren noch im zweiten und dritten Jahrzehnt unseresJahrhunderts von fast unerschwinglicher Höhe. Ein PacketBriefe oder Zeitungen, welches beispielsweise seinen Weg

Japanischer Postbote.

vom einen Ende Europas zum anderen nahm, war mit einemPorto von weit über 1000 Mark belastet. Einzelne Briefekosteten selbst zwischen Nachbarstaaten i bis 2 Francs, einBrief nach Amerika 25 Francs.

Den ersten Anstoss zur Beseitigung dieser hemmendenFessel im Postverkehr gab ein englischer Assecuranzbeamter,Rowland Hill, der mit Recht als der Vater des modernenbilligen Postverkehrs gilt. Rowland Hill bahnte, nicht ohneUeberwindung namhafter Schwierigkeiten, worunter das ein-gelebte bureaukratische Vorurtheil besonders ins Gewicht fiel,eine durchgreifende Postreform an, indem er für die Einheitdes Portosatzes innerhalb des britischen Gebietes eintrat.So trat im Jahre 1840 in Grossbritannien das Pennyporto inKraft, welches zur Folge hatte, dass gleich im ersten Jahredie Zahl der aufgegebenen Briefe von 75 Millionen auf 170 Mil-lionen stieg. . . . Der nächste Schritt zur Beschränkung dergrossen Vielzahl von selbständigen Postverwaltungen mit voneinander abweichenden Normen und Portosätzen war dieGründung des deutsch-österreichischen Postvereins imJahre 1850. Dadurch erhielt ein grösseres Gebiet eine einheitliche Post-verwaltung, welche eine Menge störender Factoren im Postverkehr be^seitigte. Die Krönung aller Reformen im Postwesen aber war der überAnregung des Leiters der deutschen Postverwaltung, Dr. Heinrich vonStephan, gegründete Weltpostverein. Am 9. October 1875 wurde von denanwesenden Vertretern von 22 Staaten und Ländern derallgemeineBerner Po st vertrag unterzeichnet und damit der Grund zur Ausgestal-tung des internationalen Post Verkehrs gelegt. Auf Grund der in der Folgein bestimmten Terminen einberufenen Postcongresse stieg die Zahl deram Weltpostverein vertretenen Staaten immer mehr und mehr, und heuteumfasst derselbe alle Länder und Staaten der Erde, mit Ausnahme der un-abhängigen Reiche und Länder Afrikas, Madagaskars, des Cap-landes, der australischen Colonien und Chinas. Es ist indess zubemerken, dass auf der sibirisch-chinesischen Postroute auch auf derchinesischen Strecke Kiachta-Peking, und ausserdem in den Häfen derenglischen Colonien in Südafrika und in Australien die Portosätze desWeltpostvereins Giltigkeit haben.

Die einfachste Form des Postverkehrs ist die Beförderung der Post-stücke mittelst Boten zu Fuss. Abgesehen von der localen Bedeutung derBotengänge, welche gerade in den Culturstaaten als das letzte Glied dermannigfachen Beförderungsmittel anzusehen sind und in Folge dessen sehrentwickelt sind, findet in den ungeheueren Gebieten der aussereuropäischenLänder, wo Eisenbahnen noch nicht bestehen, der Postdienst mit Fuss-boten die ausgedehnteste Anwendung. Die riesigen Entfernungen imchinesischen Reiche werden überall dort, wo nicht schiffbare Flüsseoder Canäle den Verkehr vermitteln, ausschliesslich von Botengängern be-wältigt. Dasselbe gilt von anderen Ländern Asiens. In Japan wurdenbeispielsweise in einem einzigen Jahre (1883) rund 36 Millionen Kilometervon Fussboten zurückgelegt. In den meisten Ländern Afrikas, namentlichim Innern des noch wenig oder gar nicht von den CulturfortschrittenEuropas berührten dunklen Erdtheiles, bedient sich der Postverkehr fastnur der Fussboten.

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