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schmuck die Bäume, welche die alte Giftkröte Emil de Girardinmit Petroleum anstreichen lassen wollte!!
Fruchtbares, dankbares Land, trefflich bewässert und gutangebaut. Die französischen Bauern, so sehr sie an den meistenOrten noch in den Klauen der Klerisei zappeln, find wenigstensthätig, arbeitsam und dabei ungemein genügsam; sie werden sicheher erholt haben, als man glaubt.
In Dijon wäre ich, — aber meinen Koffer haben sie in Pon-tarlier richtig einer englischen Dame mit nach Verrieres gegeben,mir dagegen den ihrigen, ein mächtiges Gebäude. Weiß der Him-mel wie viel Corsets, FauxculS und andere zur Lösung der so-zialen Frage nothwendige Dinge darin lagen. Sie dagegen,die reine, semmelblonde Miß, sie schleppte mein Gepäck, eineganze Revolutionsliteratur mit sich. Der Telegraph spielte hinund her, aber zwei Tage mußte ich doch in dem Nest verbringen.O ich hätte, wenn ich auf meine Uhr sah, wie der berühmteKater Hidigeigi, die Zeiger fressen mögen!
Die Stadt wimmelt von Preußen. Auf die Offiziere scheintsich ein wahrer Wolkenbruch von eisernen Kreuzen ergossen zuhaben. Stolz schreiten sie dahin und giftige Blicke folgen ihnenallenthalben nach; wer keinen Säbel umzuschnallen hat in Dijon,thut gut, nicht deutsch zu sprechen. Die Frauenzimmer sindmeist schwarz gekleidet — auch die Trauer wird zur Mode inFrankreich. Ganz gefühllos gegenüber den blonden Germanensollen sie aber doch nicht sein; „wenn man alleene bei ihnen is,"sagte ein lustiger Sergeant, „läßt sich janz jut mit ihnen fran-zösisch sprechen." Die Kriegsgefangenen kommen in hellen Hau-fen aus Deutschland zurück. Herr im Himmel, in welch' ver-wahrlostem Zustande!
Die Preußen exerziren mit einem Eifer, als wäre eine neueKriegserklärung in Sicht. Daß es aber jetzt noch s o zugehe aufdem Exerzirplatz, das habe ich mir nicht träumen lassen. Der