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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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als Akrobat, auf dessen Rücken die Herren Chambord, Joinville,Aumake rc. ihre Jongleurkünstc treiben. Eine Karrikaturerhebt sich weit über Las allgemeine Niveau und scheint aus einerächten Künstlerhand zu stammen. König Wilhelm und Bismarcksprengen im scharfen Ritt dahin, zwischen ihnen reitet der grinsendeTod mit der Sense, der Boden ist ein Leichenfeld, im Hinter-grund qualmende Ruinen. Das Bild ist von ergreifender Wirkung,grauenhaft schön. Von einer zahlreichen, eifrig diskutirenden Mengebelagert ist eine größere, ebenfalls fein ausgeführte Photographie,dasSchlachtfeld von Sedan". Das ganze weite Feld ist inPulverrauch eingehüllt. Mit vor Wuth entstellten Gesichternblicken die Soldaten in die Höhe und erheben Klage bei demalten Schlachtenmeister, Napoleon I., der in den Wolken droben,an der Seite der zürnenden Schlachtengöttin steht, die ihm denReffen zeigt, inmitten seiner in Verzweiflung aufschreienden Armeebehaglich mit übereinandergeschlagenen Beinen in der Kutsche fitzend,eine Zigarette rauchend. Das Bild ist eine Anklage Napoleons III.vor dem Richterstuhl Napoleons I.

Der vorn Glück verlassene Spitzbube soll von dem durchkorrupte Historiker und duselnde Poeten heilig gesprochenen Spitz-buben gerichtet werden? Der alte Gauner soll das Urtheil sprechenüber den Sprößling, der am Abend nicht die angesetzte Summegestohlen hat? Pfui Teufel! Das Bild ist eine vernichtendeAnklage gegen den leider zu großen Theil der Nation, der nochnicht einmal soweit gekommen ist, die Wahrheit über den Stamm-vater der bonapartistischen Sippschaft zu wissen. Den bravenLanfrey und den biedern, auf Schweizererde schlummernden Charras,diese beiden Streiter gegen die napoleonifche Legende, wollen dieFranzosen nicht kennen. . . .

Die Marseillaise und kein Ende.Ach, wie jauchzte

ich auf, als ich Ende der Fünfziger Jahre zum ersten Mal dieseStnrmhymne von einem Musikkorps vortragen hörte. . Sie läßtmich heute fast kalt und Andern geht's auch so. Es sind ja nichtmehr die unentweihten, das helle, reine Feuer der Revolutionentflammenden Klänge, die einstfrische Knaben, welke Greise"