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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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Mazarin, Frankreichs einstiger Großvezier, rieb sich stets vergnügtdie Hände, wenn man ihm hinterbrachte, daß die Pariser einemißbeliebige Regierungsmaßregel in ihren Couplets verhöhnten.

Daß gegenwärtig die Zeit dazu angethan ist, dem Witz undnoch mehr der Malice die Zügel schießen zu lassen, ist sehr klar;man wird darum auch nicht fertig mit der Besichtigung all' derpolitischen Karrikaturen, die überall ausgehängt und von der Mengeumlungert werden. Die drei Textesworte find natürlich immer:Louis Napoleon, König Wilhelm und Bismarck. Die Drei findensich an einem Ort zusammen im Armsündergewand am Prangerausgestellt! Bismarck schneidet zu allem Aerger ein ganz humo-ristisches Gesicht in diesem Büßerkittel; der alte Wilhelm dagegenscheint nicht Willens, dieseneue Wendung" seiner Aujuste zumelden; Napoleon endlich sieht zu eckelhaft aus, als daß man ihnlänger als eine halbe Sekunde betrachten kann. Auf einem andernBlatte zappeln die drei Herren am Galgen und dicht daneben siehtman Bazaine, den Strick um den fetten Hals und darunter dieWorte:Dem Marschall Bazaine das dankbare Vaterland". Hierdiekaiserliche Menagerie": Alle mehr oder minder anrüchigenPersonen des Empire's erscheinen da, von den allerhöchstenPersonen auch Prinz Peter, der Mörder Viktor Noirs als wildeSau, die einen Revolver im Maul trägt, Emile Ollivier alsglattes Schlänglein, Margucrite Bellanger als Katze, die mit eineram Boden liegenden Maus spielt, deren Züge diejenigen desEmpereurs überraschend treu wiedergeben, Prinzessin Mathilde alsHündin rc. rc.

Aber auch die Regierung vom 4. September bekommt ihrePortion. Da prangt in schreienden Farben das h. Abendmahlnach Leonardo da Vinci; die Jünger tragen die Köpfe der Mit-glieder der republikanischen Regierung, Gambetta (sein Name istin Granbeta verstümmelt) nimmt die Stelle von Petrus, Trochudiejenige von Judas Jscharioth ein. Zur wahren Fratze ist dasBild Jules Favre's verstümmelt, er dürfte der Verhaßteste allerseiner Genossen sein. Dann kommt die Reihe an den kleinenThiers, der in urdrastischen Situationen dargestellt ist, namentlich