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schon wieder kommen, — „das Opfer fällt, die Raben steigennieder" — sie werden auf ihren Kanzeln das höllische Fener an-zünden und zur Abwechslung auch die Sündfluth drein schießenlassen....
Er war spät in der Nacht, als ich mich zur Abreise nachdem Nordbahnhofe begab. Von den Forts brüllten schlaftrunkendie Kanonen, ein Bataillon Nationalgarde marschirte vorüber,an der Seite eines Kapitäns ein hochaufgeschossenes, prächtigesWeib. . . . Sie ziehen hinaus zu der täglichen Blutarbeit.
„Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen!"sangen in der Christnacht die Engel vom Himmel herunter. Woist der Friede? Kein Friede, aber Klöster, Kirchen und Kasernenund Kampf der verschiedenen Klassen. Bald werden die Wogender Reaktion über Paris zusammenschlagen, denn Versaillesrepräsentirt nicht einmal mehr die „gemäßigte" Republik, esrepräsentirt die Monarchie und die Herren Mortimer - Ternauxund Genossen strampeln wie ungeduldige Schuljungen dem Tagder Aufrichtung von Thron und Altar entgegen. Aber ein Faktunimögen sie nicht übersehen: während bisher die revolutionärenVorgänge in Paris reaktionäre Wirkungen im übrigen Frankreichhervorbrachten, haben die neuesten Wahlen im Gegentheil be-wiesen, daß der republikanische Gedanke daselbst bedeutende Fort-schritte gemacht hat. Geht also nochmals in den Tod, ihr PariserArbeiter, schlaget die zweite Junischlacht, Ihr lernet zuletzt dochsiegen.
Jedes Kämpfen für die FreiheitGeht der Menschheit nie verloren,
Und aus jedem ihrer GräberWird sie mächt'ger stets geboren.
Alles Blut, das ihr geflossen,
Tränkt all' ewig ihre Saat, —
Jede That der WeltgeschichteZeugt auch wieder eine That.
Der Zug trägt mich hinaus in die stille Nacht und der Schlafschiebt die letzten trüben Gedanken freundlich bei Seite.