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Ich habe den Kanal hinter mir und stehe auf dem BodenEnglands. Und jetzt noch einen Blick über's Meer, nach jenerRichtung, wo weit über große Lande hin die kleine, liebe Heimathliegt. . . .
Zwischen hier und zwischen dortGibt's nur eine Brücke.
Freiheit, o du Felsenwort:
Vivs la republiqus!
Amen.
I I. *)
Erlösung! Ein gellender Pfiff, — der Kirchthurm von Harwichsteht drüben wie eins vergessene Schildwache, — hinaus aus demWagen in die stärkende, frische Nachtluft.
Thalatta! Sei mir gegrüßt, Ozean!
Der Ozean — wie viele Poeten haben ihn angesungen, bissie sammt dem Leser seekrank wurden! Wie majestätische Schil-derungen haben sie von ihm entworfen — vom Winkel ihresSopha's aus, wie jene Freiheits- und Schlachtensiinger, die auchnicht einmal im Stande wären, einen Pudel zu terrorisiren.
Und doch, es ist kein Wunder, daß wie die größten auchdie kleinsten Jünger der Poesie immer und immer wieder nachdem gewaltigen Stoffe greifen; tief und unergründlich, alt unddoch ewig jung, wie das Räthsel unseres Daseins, war dasMeer schon vor Jahrtausenden Gegenstand ahnungsvollen Glau-bens und phantasievoller Vorstellungen und ist es bis heute ge-blieben: ein Symbol der Unendlichkeit, einer grenzenlosen Ewig-keit, einer schauerlich erhabenen Monotonie.
Schlaftrunken plätschern die Wellen um den Kiel desSchiffes, das stolz und keck wie des Menschen Wille zur weiten
') Oktober 1871.