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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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Und wer ist der Mann, von dem die Inschrift sagt: »Hs«anA tlrs sovA ok tirs siiirt".

Es ist Thomas Hood, der entzückende Humorist, derVolksdichter von Gottes Gnaden. Wohl trifft man bei denneuern englischen Poeten auf zahlreiche soziale Anklänge, keinemaber hat die Noth seiner armen Bruder in ihrer ganzen Stärkeso nahe vor Augen gestanden, Keiner hat wie er mit solcherMacht und Liebe und warm hervorquellender Empfindung dasbittere Leiden der Armuth geschildert. Hood lebte, was er sang.Er starb im Elend.

Er ist kein Goldschnitt-Poet, seine Werke werden nicht auf denWeihnachtstisch gelegt. Freiligrath hatte seine Uebersetzungen fastschon abgeschlossen, als HoodS Name bekannter wurde, und bin ichrecht berichtet, so übersetzte er nur zwei Stücke freilich Kapi-talstücke desselben in's Deutsche. Eine größere Sammlungdeutscher Uebersetzungen, in denen freilich manch' herrliche Perlefehlt, wie z. B. das Lied an dieMelancholie", erschien voreinigen Jahren von H. Harrys; wir werden ihr einige Probenentheben.

AIs Sohn eines Buchhändlers in London geboren (1798)trat Thomas Hood frühzeitig in ein Comptoir ein, doch dieBüreaulust sagte ihm nicht zu, und er wurde zu Verwandtennach Schottland abgeliefert. Frühzeitig begann er in der Litte-ratur zu marodiren, und sandte seine erste poetische Produktiondem Danäes Naxa^ins, dessen Herausgebergütig genug war,das Bischen Unsinn in seinen erhabenen Schutz zu nehmen, ohnesich dafür bezahlen zu lassen."

Heimgekehrt, trat er bei einem Kupferstecher in die Lehre,brachte es in der Kunst ziemlich weit und illnstrirte spätergleich unserem Salomon Geßner seine eigenen Werke. Aberdie Liebe zur Feder überwog diejenige zum Griffel, er trat zurRedaktion einer periodischen Zeitschrift über, verheirathete sichund hätte in seinen vier Pfählen glücklich gelebt, wenn nicht dieNoth mit ihm eingezogen wäre. Der Hunger nagte an seinem

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