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An's Werk — an's Werk — an's Werk!
Mit den schleichenden Stunden Geduld;
An's Werk — an's Werk — an's Werk —
Wie Verbrecher für ihre Schuld!
Band und Gehren und Saum,
Saum und Gehren und Band;
Bis das Herz erkrankt und das Hirn erstarrtWie die arbeitmüde Hand.
An's Werk — an's Werk — an's WerkIn trüber Dezemberzeit!
Und an's Werk — an's Werk — an's Werk,
Wenn der Lenz die Fluren erneut;
Wenn brütend unter mein DachDie Schwalbe sich niederläßt,
Als höhnte sie mit dem Frühling mich,
Und mit ihrem sonnigen Nest.
O draußen zu athmen, nurUnter Blüthen und Thau —
Zu Füßen das grüne Gras,
Zu Häupten der Himmel blau!
Eine kurze Stunde nurZu fühlen, wie ich gefühlt,
Eh' ich wußte, wie theuer ein Bissen Brod,
Wie das Weh der Armuth wühlt.
Eine einzige Stunde nur!
Eine Frist, wie kurz sie sei!
Nicht zum glücklichen Hoffen und Lieben mehrEine Stunde zur Trauer nur frei!
So weint ich mir leichter das Herz —
Doch in ihr bittres Bett
Muß die Thräne zurück, denn ein Tropfen im BlickWehrt — daß die Nadel geht.
Mit Wimpern schwer und roth,
Mit magerer müder HandIn ärmlicher Hülle saß ein Weib;
Saß an die Nadel gebannt —
Stich — Stich — Stich!