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Verzweislungsvoll schließt die letzte Strophe:
Wer mir den kleinen ErwerbDer Arbeit noch kleiner macht,
Den Dürftigen heut' vor der Kirche beutUnd ihnen stiehlt über Nacht,
Den Schilling schenk' ich euch nicht,
Den forder' ich ein andermal,
Verderbt oder siech in der neuen Bastill',
Im Kerker oder im Spital.
Erschütternd sind die Strophen, welche er dem Volk desArmenhauses widmet. Er sieht diese Kandidaten der Noth aufihrem Wege zur traurigen Stätte vorbeischreiten am höhnendenUebersluß, am lustigen, losen Leben; am Thore steht ein Heervon Armen, und dem Dichter ist, als höre er ihre wilden Seufzerschwellen zu einem Orkane, dem keine Macht mehr gebieten kann.Wie Schafe kauern sie an der Schwelle ....
O, daß alle „Gerechten" sähen,
Wie die hohlen Augen zum Himmel gehen!
O, daß die Walter der Macht,
Die über den Stunden der Armuth wacht,Ueber den Tag voll Mühen und Plagen,Voll Entbehren und Qual und Entsagen,Nur nach dem künstlichen Zeiger fragen,Der da weist auf neun oder zehn.
Ging es doch nach dem ältern einmal,
Der unter Gottes himmlischem StrahlGelernt nach dem Himmel zu gehen.
Reizend klingen seine kleinen Lieder, z. B.:Dich hab' ich lieb, dich hab' ich lieb!Nichts weiß ich sonst zu sagen;
Das ist mein Licht in dunkler Nacht,Mein Traum in hellen Tagen;
Der Seele Echo mein Gebet,
Von Andachtgluth getragen.
Dich hab' ich lieb — dich hab' ich lieb!Nichts weiß ich sonst zu sagen.