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nennt, eine gewisse Art von Zusammenkünften eingeführt, beidenen Frömmigkeit und Weltlust völlig gleichen Antheil haben,es find die „evangelischen Kränzchen", für welche im täglichenLeben übrigens bereits ein viel drastischeres Wort kursirt. Vomökonomischen Standpunkt aus betrachtet, sieht die Sache gar nichtübel aus. Die christliche Festivität ist fünfzigmäl wohlfeiler alsein Ball und zwanzigmal billiger als ein eigentliches „Essen".Das Arrangement ist ebenfalls sehr einfach und unterliegt keinertyrannischen Regel. Man lockt ein großes Publikum an, hatdabei sehr kleine Auslagen und das läßt sich immerhin hören.Das Rezept für diese Feier ist folgendes:
Die Möbeln des Lokals werden vorerst recht weit auseinandergestellt, um einen Salon herzustellen. In die Mitte, oder aneine andere geschickte Stelle, wird ein Tisch gerückt, auf dem sicheine mächtige Wasserflasche, ein Gesangbuch und eine große Bibelbefinden; um den Tisch herum stehen so viele Rohrsessel, alsHerren erwartet werden, die bei der Feier auftreten. Hiebei istunerläßlich, daß einer dieser Herren der hohen Geistlichkeit ange-höre oder doch ein Mitglied des Parlaments sei; für ihn stehtein E-trafessel bereit, für Bischöfe „aus den Kolonien" machtman indessen keinen Unterschied. Eine Woche vorher schon werdenKarten versandt, auf welchen die Tranktanden verzeichnet sind.Diesen sind beispielsweise die Worte vorgesetzt: „Frau Plate
ladet.zu einer evangelischen Feier auf Freitag den
.18 . . ein. Der Bischof von Baunton wird einen
Vertrag halten über den Stand der Heidenmission. Mehrereandere Herren haben ihre Mitwirkung zugesagt. Es wird Theeund Cafe scrvirt. Anfang 8 Uhr."
Mit Rücksicht auf die Wahl eines „Vorsitzenden" muß mitäußerster Vorsicht zu Werk gegangen werden. Wie der Erfolgeiner Oper von der Primadonna, derjenige eines „Essens" vomKoch abhängt, so ist auch der Erfolg eines Kränzchens auf's Engstemit der Wahl Desjenigen verbunden, der die Versammlung er-öffnet. Ein mit kräftigen, jedoch eines gewissen Schmelzes nichtentbehrenden Stimmmitteln begabter eifriger Bischof, oder ein in