58
Beurtheilung der garantirten Kultusfreiheit in die Augen griffe.Ob eine solche Logik in England anerkannt würde, weiß ich nicht,ich weiß nur soviel, daß nicht blos engherzige Zionswächter,sondern auch sehr freisinnige Leute für strenge Festhaltung derSonntagsgesetze einstehen. Lassen wir hier eine Laxheit eintreten,sagen dieselben, so ist die Folge, daß die Aermsten der Armen, dieKinder, an diesem Tage hauptsächlich in's Joch gespannt werden(d. h. in den Magazinen der Kunden zu warten rc.), währenddie Erwachsenen sich der Arbeit um so leichter entziehen können.
Am Sonntag aus London herauszukommen, ohne einemStraßenprediger in die Hände zu fallen, geht in den wenigstenFällen an. In der Regel von ein paar zerknirschten Weibs-bildern flankirt, von etlichen Neugierigen umgeben, meistens aufeiner portativen, kleinen Kanzel, steht der Mann und predigtmit riesiger Ausdauer oft seine zwei drei Stunden in den Wind.Thut nichts, die fünf Shilling Honorar werden ihm doch zuTheil. Ich meinestheils bin nie an einem dieser Bußpredigervorübergegangen, ohne mich an das alte Sprüchlein zu erinnern:O trieben alle, die HöllcngrausVerspüren schon auf Erden,
Sich selbst zuerst den Teufel aus —
Es müßte bald besser werden.
Es sei mir gestattet, an diesem Ort eine kleine Anleihe ausder trefflichen Monatsschrift „Tinsley's Magazine" zu machen.Unterm Titel „LvanAsIioal äravinA rooins" — wir übersetzenwohl am entsprechendsten: „Evangelische Kränzchen" —gibt dieselbe einen prächtigen Beitrag zur Naturgeschichte der eng-lischen Fronimen. Vielleicht begehe ich nach der Ansicht Manchereine lästerliche That. Aber ich tröste mich mit den Worten desKirchenvaters Hieronimus, der da sagt: Wenn durch die WahrheitAergerniß kommt, so ist es besser, das Aergerniß komme, als daßdie Wahrheit verschwiegen bleibe.
„Seit mehreren Jahren", sagt unsere Quelle, „hat diejenigeKlaffe der Gesellschaft, die sich selbst mit Vorliebe „evangelisch"