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wärmer und er entwickelt einen solchen Eifer vor dem Herrn,daß die Zunächststehenden ernstlich auf ein blaues Auge sich ge-faßt machen. Das Geberdenspiel wird komplizirt, die Hand-bewegungen erinnern an den Würgengel, er kann nicht mehrsprechen, er stößt nur noch Laute und Silben, keine zusammen-hängenden Sätze mehr heraus. Er sagt, wie er euch für dasheilige Missionswerk begeistern und entstammen wolle, aber ererweckt in euch nur Grauen und den stillen Wunsch, er möchteendlich das Maul halten, und diesen Wunsch theilen auch dieechten Brüder, denn Einer derselben zupft ihn sanft an dem ausder Fracktasche herauszüngelndcn Foulard und flüstert ihm zu,er möchte so freundlich sein und den Schluß seines „interessanten"Vortrages nur noch kurz resümirm, da noch Andere sprechenwollen, — die evangelisch-pfissige Form, um Einen wegzulneisen.
Uebrigens ist diese Sorte von Missionären noch bedeuten^werthvollcr, als die der reinen Tartnsfe's. Jener mag linkischauftreten, gemeine Manieren an sich haben und mangelhaft ge-bildet sein — er meint es doch wenigstens nicht schlecht und esläßt sich mit ihm noch vernünftig plaudern. Anders beim Bru-der Tartüsfe, der „aus Gesundheitsrücksichten" zurückgekehrt ist,in Wahrheit aber nur, um ein Buch zusammen zu schmieren,oder auf eine reiche Frau zu fahnden. „Gesundheitsrücksichten"!Wäre das Wort nicht da, man müßte es erfinden, es unecht ihnzum Märtyrer. Er schlangelt im Land herum, predigt undkramt seine .wunderbaren Fügungen" aus und weiß dabei immerdas Interesse auf seine „Wenigkeit" zu konzentriren, gerade wiedie Menageriebesitzer, die stets zuletzt gegen ein Extradouceurnoch die Klapperschlange auspacken.
Die evangelische Unterhaltung dauert etwa anderthalbStunden und schließt mit Gesang und einer Kollekte. Auf den„religiösen" Akt folgt jetzt der weltliche. Kaum ist der letzteVers verklungen, so beginnt es in diesen „heiligen Hallen" rechtmunter zu werden. Die jungen Herren sind richtig wieder da,führen bereits eine pikante Konversation mit den Dämchen, hei-teres Lachen erklingt, Feststimmung waltet und ein vortreffliches