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und spielt mit ihrem Fächer. Die alten, gravitätisch sitzendenHerren nehmen den obligatorischen resignationsvollen Blick an;die Damm desgleichen nehmen zur Stärkung in Gedanken hof-männische Tropfen und blicken empört nach Denjenigen hin, dieihr Lachen nicht zurückhalten konnten, als Hochwürden dieStimme probirte — vergessen aber auch die jungen Herrennicht. Diese haben indeß bereits die Ball-Zylinder unterm Armund steuern allgemach und mit Würde dem Hintergrund, resp.der Thüre zu. Ehrwürdiges Schweigen herrscht im Raum undjetzt erhebt sich der Bischof und erklärt, die Feier mit einemkurzen Gebet eröffnen zu wollen, worauf das ganze Auditorium,das eben noch allen möglichen und unmöglichen Skandal besprachund glossirte, wie aus einer Pistole geschossen auf die Knieniederfällt, die Herzen zu einer bessern, höheren Welt erhoben,während die Gedanken bei dem im Speisezimmer winkenden Fraßweilen und die jungen Herren still und geräuschlos verduften.
Nach dem kurzen Gebet wird eine Hymne geflötet und derBischof erhebt sich übermal, um in schmetterndem Trompetentonvon seinem Werk zu sprechen, von dem Land,- in dem sein Sprengelliegt, über die Lebensgewohnheiten, Charakter und Religion derChochin-Chinesen; er flickt allerlei Anekdoten ein, die zwar herzlichplump sind, aber das fade Volk doch zum Lachen bringen, undschließt mit einem mächtigen Appell an die Taschen: „Milde Gabenmuß sind". Nach ihm schießt der „gläubige" Bankier in die Höhe,der sein Dutzend Sätze an die „Brüder und Schwestern" im fer-nen Heidenland zu gleichen Theilen aus einer Enzyklopädie fürTöchter christlicher Eltern und einem alten Reisehandbuch zusam-men madorirt hat und den von seinem „Bruder im Herrn" ge-stellten Antrag auf milde Gaben in beredtester Weise unterstützt.Denn Glauben und Geld sind zwei einem christlichen Bankierzusammengehörige Begriffe. Selbstverständlich legt man die mildenGaben stets bei ihm an. — Nun kommt die Reihe an einen BruderMissionär. Er beginnt bescheiden summend, fast stammelnd, wiees einem armen „Arbeiter im Weinberge des Herrn" vor einer„vornehmen" Gesellschaft geziemt. Aber nach und nach wird er