mit der Serviette alle sozialen Mißständc unter den Tisch wischt.Am schönsten und weitaus am nahrhaftesten sind die Feste, welchedie Diener der Kirche feiern, sei es nun, daß sie aus Freude übereinen «»gefangenen „blinden Heiden", oder wegen Versetzungeines Komma's im Taufgebct, oder um eines andern christlichenWerkes willen sich zusammenfinden. Dann bekommen die Stim-men, die sonst scharf wie Rasirmesser von der Kanzel herunter-zucken, einen lieblichen Schmack, die Stirnen glatten sich, dieBruderliebe erwacht und auf Manchen möchte man anwenden,was Schiller einst auf einen Mitschülerin der Karlsschule dichtete:
Er hat zu seinem SymbolumDas Wort sich aus der Passion„Mich dürstet! " ausersehn.
Und hält nach eignen ProbenDen Vers für unterschoben:
„Laß diesen Kelch vorübergehen/'
Manchem ehrsamen Bürger würde es sauer, wollte er sichdrauf besinnen, welchen Vereinen er angehört. Da sind Sänger-vereine, Schützenvereinc, eminent patriotisch, dennTrifft auch der Schütz nicht viel,
Bleibt doch der Maßkrug stets sein sichres Ziel.
Folgen die Turner, welche ebenfalls zum Wohl des Vater-landes, hüpfen und knicwippen. Dann kommen die Jahrgänger-vereine, welche sich mit Vorliebe Photographiren lassen; dramatischeVereine und Liebhabergesellschaften, in welchen heroisch gestimmteJünglinge und lyrische Jungfrauen zusammen die großen Schö-pfungen unserer Dichter „intcrpretiren"; pädagogische Vereine, inwelchen der gewöhnliche Sterbliche schon nicht mehr Alles ver-steht, immerhin aber noch ziemlich leicht herausbringt, daß eineBesoldungserhöhung als sehr „zeitgemäß" aufgenommen würde.Ein wahrer Abgrund von Gelehrsamkeit sind die „akademischenVereine", am zahlreichsten die politischen Associationen: Dagiblls deutsche Brüdcr und „Gritlianer"; demokratische Ver-eine, wahre Arsenale des Fortschritts, in welchen der Welt uner-