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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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Sprache mit Wendungen bereichert, die jedem Stotternden zurKur anzuempfehlen sind!

Jetzt ist er freilich todt und ein Sprichwort sagt:äs wor-tuis uilul nist bans," welche Worte die Berliner Gassenbubenäußerst sinnreich übersetzen:Von den Todten bleibt nichts alsdie Beene". Wenn nun gleichwohl die Slandalchronik am Grabedesteutschen" Königs ihr böses Maul nicht halten kann, sowollen wir es halten wie die Prinzessin Mathilde, von der sichbekanntlich auch sagen läßt:Ihr ist viel zu vergeben". Als sienoch am Stuttgarter Hof weilte, verliebte sie sich sterblich ineinen schönen Offizier, machte deßhalb eine Badereise nach derSchweiz und als sie etwas blaß wieder zurückkehrte, plauderteihr ein dreister Höfling vor:Wissen Sie, daß die Stuttgartersagen, Prinzessin Mathilde habe Zwillinge bekommen?"

Mathilde lächelte und sagte:

O, diese böse Welt übertreibt, . . Man darf nur immerdie Hälfte glauben von dem, was die Leute sagen..."

Was man indessen von den Schrullen, Liebhabereien undGewaltthätigkeiten Ludwigs sage, lassen muß man ihm, daß erfür die Kunst in treuer Begeisterung sehr viel gethan hat. SeinMünchen mit der Verkuppelung aller möglichen Baustyle erwecktzwar nicht bei allen Kunstfreunden ungetheilte Bewunderung. Voretwa 30 Jahren sang der nunmehr zum Salondichter umgegoh-rene Dingelstedt in seinen Liedern eineskosmopolitischen Nacht-wächters" :

O wundcrreiche Stadt der Neuhellenen,

Apollo's Antlitz mit Sileno's Finnen,

Komödienhaus voll neuen Trödels innen,

Außen bemalt mit hochantiken Scenen.

Ein Pfaffe deklamirt statt Demosthenen,

Das Kuchelmensch ersetzt die CharitinnenUnd schenkt den ewig durst'gen PierinnenBock und Salvator, ihre Hyppokrenen.