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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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Stellt doch an's Thor als städtisches GewappenEin griechisch Götterbild mit kahlem Schädel,

Worauf der Jnful Lunte Hängelappen,

Gebt in die Linke ihm ein leeres Seidel,

Ihm in die Rechte drei Stück Kruzifixe:

So habt ihr München im modernen Wixe.

. . . Lindau ist anerkannt ein Asyl für abgedankte Wesen,so auch, wenn wir nicht irren, für arme Teufel von ehemaligenKönigen, denen die Kronen abhanden gekommen und die derehrliche Finder auch gegen hohes Futtergeld nicht wieder bringenwill. Jetzt freilich schnurrt und pfeift die Eisenbahn über Kemp-ten nach München, es kommen zahlreiche Dampfer herangerauschtund immer reger gestaltet sich das Leben allein trotz alledemmacht mir das Städtchen den Eindruck eines gemüthlich ruhendenköniglichen Pensionärs. Wohlhabende, ja sehr reiche Leute woh-nen in Häusern, die eine wahre Mustersammlung von Rissenund dringend reparaturbedürftigen Stellen sind und mit derenherabhängenden Fensterladen der Wind feit Jahren unehrerbietigeSpässe treibt: macht nichts, für ein traulich liebend Paar schmeckendie bayerischen Knödel auch in einer alten Hütte noch gut. Jadiese Knödel, die ich zum ersten Mal in meinem Leben vor dieMündung bekam, sind eine schrecklich nahrhafte Speise, hat manauch nur drei davon gegessen, so verfällt man in einen ähnlichenZustand wie die Klapperschlange nach der großen Fütterung.Die Regierung sollte eigentlich Knödelpreise auswerfen:

Denn, wird Eener fett und dick,

Denkt er nich an Pollentik,

Und kommt nicht mit das GewehrGegen das Gesetz det quer.

Ich weiß nicht, woher es kommt, daß ich für den bayerischenVolksstamm nie eine besondere Sympathie hegte; vielleicht sinddieFliegenden Blätter" dran schuld, deren Portraits nicht geradeden Wunsch aufkommen lassen, mit bayerischenBub'n" zu raufen.Nun: