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Ein deutscher Mann kann leinen Franzmann leiden,
Doch orthograph'sche Fehler macht er gern,und so gestehe ich, daß das bayerische Bier mitunter im Standeist, mir von Bayern eine höhere Meinung beizubringen, alsDöllinger und Huber mit ihrer altkatholischen Salbe. Ja dasBier! Ist es ein Zufall, daß man in dem Wort Baier nur das„a" zu streichen braucht, um „Bier" lesen zu können? Es gibtkeinen Zufall, sagt Wallenstein. So ein Seidel erweckt anfäng-lich bei dem Laien einige Bedenken; wie man sich aber mit derGottesgabe etwas näher vertraut gemacht, erwacht ein unbe-grenztes Zutrauen zu derselben. Sie stärkt ganz anders als eineNachmittagsprcdigt. Man erzählt sich, daß in der Schlacht beiWeißenburg ein bayerischer Hauptmann seine ermatteten Leuteneuerdings zum Stürmen trieb durch das feste Versprechen, wennsie die Franzosen werfen, so werde ein frisches „Faßl" ange-stochen. Glaubwürdig ist's jedenfalls. — Es kann gar nichtsPossierlicheres geben, als so einen richtigen Altbayer hinter seinem„Maßkrügl" zu sehen. Er trinkt nicht leichtfertig, hastig, son-dern gemessen, würdevoll, der Wichtigkeit des Aktes vollständigkonform und dabei überschattet der Schnauz den Kelch ganz wieein dichtes Strohdach. In der Regel zeigt auch die Nase einenicht schwache Tendenz zum „Rothen" und es sind namentlichdie Gensdarmen, deren Nasen einen Schein werfen wie die besteFuhrmannslaterne.
Auch die Postkondukteurs verstehen sich auf „Braunbier".Zwar steht im Postwagen schwarz auf weiß zu lesen, daß es denKondukteurs bei Arreststrafe untersagt ist, außer an den Haupt-stationen zu halten; aber aus dem Weg von Kempten nach Füßenwurde zahlreich angehalten, um zu „tränken". Desto schönerblus nachher der Schwager von seinem Bock herunter. WelcherReisende könnte auch so hartherzig sein, um zu murren, wenneine dralle Kellnerin zur Thüre heraus mit den „Krügln"kommt?
Im Ureigen halten sich diese Postknechte ganz an dasWort unseres Heilandes: „Nicht was zum Munde eingeht, ver-