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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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haben? Wer weiß? es sind gewiß auch dort oben nicht allemündig" Opposition muß außerdem nach dem Urtheil Sach-verständiger in jedem geordneten Staatswesen sein und zu pole-misiren verstehen ja bekanntlich seine Frommen schon auf dieserWelt . . . Aber was brauchen wir eigentlich über schlechtesWetter zu knurren, wenn wir unsere Aufführung erwägen? Dasitzt ja in Italien immer noch ein Viktor Emanuel auf demThron, in Frankreich suchen sie die Republik im Weihwasser-kessel zu ersäufen, in Spanien ränkelt und stänkelt das feine,vornehme Pack, im neuen Reich der Gottesfurcht und Erbswurstsängt der Mensch erst beim Lieutenant an und der Jean vonPersien, dessen Unterthanen zu Tausenden dem Hunger erliegen,inspizirt die Sylphiden des Berliner Balletkorps; in Wien führendie Gründer Bergamaskertänze auf und der Prinz von Walesforstet die Lustbarkeiten der Stadt ab. . . Wahrhaftig man hatgroße Lust, auf die Frage, wie da entgegengehandelt werdensolle, mit jenem Antrag zu antworten, welchen im Jahr 1848ein Frankfurter rother Republikaner in einer Versammlung be-harrlich immer und immer wieder stellte:

Ich bin ääfach forsch Henke."

Und wir Schweizer können von Glück sagen, daß derGrütlischwur schon geschworen ist. Wenn er erst jetzt durch-zuberathen wäre, es ginge schlecht. Zuerst würde beantragt,dieses minder wichtige Traktandum wichtig sind gegenwärtignur die Eiscnbahn-Subventionsbegehren auf eine folgendeSession zu verschieben. Dann müßte abgestimmt werden, obman vorerst einen allgemeinen Rathschlag halten oder sogleichin die Spezialdebatte eintreten wolle. Hierauf würde irgend einWalter Fürst vorn rechten oder linken Seeufer auseinandersetzen,die ganze Materie sei eigentlich noch nicht spruchreif, und einOberländer Teil Ueberweisung an eine Kommission verlangen.Ohne Zweifel fände sich auch ein Jurist, der die konstitutionelleZulässigkeit eines auf Vertreibung der Vögte gerichteten Antragesbestritte und ein Staatsmann, welcher in diesem Vorgehen gegendieTyrannei" eine unwürdige Anspielung auf die Bahngescll-