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I. Morphologisches.
Zugangstiefen.
würden also in demselben Verhältnisse zu Meereskanälen stehen,wie Randmeere zu grossen Buchten.
Naturgemäss trifft man solche Bildungen am häufigsten inner-halb grosser Inselgruppen. Besonders deutlich zeigt dies ihr zahl-reiches Auftreten im hinterindisch-malayischen Archipel, wo z. B.Sulu-See, Mindoro -See, Banda-, Sunda- und Arafura-See zu nennensind; ferner im arktisch-nordamerikanischen Archipel, wo die Baffins-bay, die Hudsonstrasse und der Fox-Kanal und manche der „Bassin”genannten Erweiterungen nördlich des Smith-Sundes zu dieser Kat-egorie zu zählen sein würden. Innerhalb der britischen Inseln istdie irische See zu erwähnen, welche im Süden durch eine Liniezwischen den Vorgebirgen Carnsore-Point in Irland und St. Davids-Head in Wales und im Norden durch eine Linie begrenzt wird,welche von dem irischen Cap Benmore-Head nach der schottischenHalbinsel Cantire zu ziehen ist. Allerdings würde man die irischeSee auch als Randmeer betrachten können, allein die im Verhältnissezu dieser Wasserfläche so sehr bedeutende Grösse Irlands dürftedie erstere Auffassung richtiger erscheinen lassen. Dass übrigensdas Vorkommen von Zwischenmeeren keineswegs auf Inselgruppenbeschränkt ist, zeigen u. A. die Bassstrasse und die Palksstrasse.
B. Die Zugangstiefen der Ostsee .
Nicht ohne Interesse ist die Betrachtung der Zugangsbreitenund Zugangstiefen der Ostsee . Beide Termini sind von Krümmelgeschaffen. *) Unter dem ersteren versteht er die horizontale Ausdeh-nung der nassen Grenzen zweier sich berührender Meere, resp. Meeres-abtheilungen, unter dem anderen aber die vertikale Ausdehnungder Zugangsbreiten. Wie sich für die Ostsee die drei Zugangs-breiten gestalten, ist bereits erwähnt, die Beschaffenheit der dreiZugangstiefen zeigen die Tiefenprofile auf Tafel I, welche allegleichen Längen- und Tiefenmassstab haben. Figur I stellt dieZugangstiefe des Kleinen Beltes, Figur II die des Grossen Beltesund Figur III die des Sundes dar.
Von grösserer Bedeutung sind indessen die Tiefenprofile derflachsten Stellen jener drei Meeresstrassen, da dieselben im Gegen-sätze zu den oben gegebenen morphologischen Zugangstiefen die
1 ) a. a. O. S. 61.