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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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238
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238 III. Physikalisches. Klima der Ostseeländer.

das Wasser in den inneren Partien tiefer Buchten erheblich ver-dünnt wird, kann zu dieser Jahreszeit in den nördlichen Partien derOstsee das Oberflächenwasser ganzer Meerestheile, wie der bott-nischen Wiek und des finnischen Busens östlich von Hochland, alsTrinkwasser dienen.

Ausser der durch das Schmelzwasser des Eises hervorgerufenenerheblichen Verminderung des procentischen Salzgehalts ist nocheine andere zu erwähnen, welche bei einer Station mit ziemlichhohem Salzgehalte, nämlich bei Friedrichsort , zuweilen beobachtetist 1 ). Hier gefriert in kalten Wintern nicht selten die innerste Partieder Kieler Föhrde, und das Wasser der mündenden Bäche, alsonamentlich das der Schwentine, breitet sich in diesem Falle als einedünne Lage unterhalb der Eisdecke über die Bucht aus. Die obersteWasserschicht unter dem Eise muss daher eine fast süsse genanntwerden, und so erklärt sich jener geringe, in obiger Tabelle fürFriedrichsort angegebene Minimalwerth. Verstärken aber auch solchelokale Umstände die Schwankungen des Salzgehalts im Oberflächen-wasser sehr bedeutend, so wird doch das Verhältnis zwischen west-licher und östlicher Ostsee hinsichtlich der Schwankungsgrösse desprocentischen Salzgehalts nicht dadurch verändert. Dies beweistauf das deutlichste die Thatsache, dass im Tiefen wasser derselbeUnterschied zwischen westlicher und östlicher Ostsee zu Tage tritt,der sich im Oberflächenwasser zeigt.

III. Die Temperatur-Verhältnisse.

a. Der Einfluss der Ostsee auf das Klima der Ostseeländer.

Kaum weniger charakteristisch als die bis jetzt berührten physi-kalischen Erscheinungen sind die Temperatur-Verhältnisse der Ost­ see . Es wurde bereits erwähnt, dass dieselben grösstentheils vonden Temperaturen der darüber lagernden Luft abhängig sind unddass dabei zugleich eine nicht unbeträchtliche Beeinflussung derletzteren durch die Ostsee stattfindet, man also von einer Wechsel-wirkung reden kann.

Wie leicht zu ersehen, muss in der kühleren Jahreszeit, wenn

L ) Meyer und Möbius, Fauna der Kieler Bucht . I. 1866.