22
I. Morphologisches.
von einem Vorsprunge südöstlich von Rönne, dem Hauptorte Born holms , auf jener obenerwähnten Barre über deren flachste Stelle,den weniger als io m tief gelegenen Adlergrund, nach dem Königs-stuhle auf Rügen , so wird dadurch ein 246 DMeilen grosses Meeres-gebilde von der übrigen inneren Ostsee abgeschlossen. Der Bodendesselben stellt zwar keine besondere Mulde des Meeresgrundes dar,weil jene Strasse zwischen Schweden und Bornholm keine Barrebesitzt, vielmehr die tiefste Stelle eines sich von allen Seiten dieserMeeresbucht allmählig abdachenden Bodens ist, allein wie mandem finnischen Busen und dem Skager-Rak eine relativ selbstständigeStellung einräumt, so dürfte das Gleiche in Betreff dieser bucht-förmigen Abtheilung des Meeresgrundes gerechtfertigt sein. Ausserder Isobathe von 20 m, welche, wie bereits erwähnt, auch in ge-ringer Ausdehnung in den südlichen Theil des Sundes eindringt,beginnen in dieser Bucht ferner diejenigen von 30, 40 und 50 mund ziehen sich sämmtlich durch die Strasse zwischen Bornholm und Schweden hindurch in die übrige Abtheilung der inneren Ost see hinein. Durch eine Linie zwischen dem äussersten SüdpunkteSchwedens , der Smygehuk, und der nördlichsten Halbinsel Rügens ,dem Lande Wittow , zerfällt diese Meeresabtheilung in zwei Hälften;da jedoch die genannten Isobathen beiden gemeinsam sind undauch die Küstenvorsprünge sich nicht genügend nähern, so wirdeine scharfe Scheidung nicht hervorgebracht. Die westlichere dieserHälften enthält 132 DMeilen, die östlichere 114. Die angegebeneGrenzlinie ist deswegen von grosser Wichtigkeit, weil die deutscheAdmiralität sie als Scheide zwischen westlicher und östlicher Ost see auffasst 1 ); es dürfte jedoch die oben (S. 7 und 8) angenommeneScheide den Vorzug verdienen, weil sie erstens in morphologischerHinsicht schärfer ist und weil zweitens durch sie kein selbststän-digeres Meeresgebilde in zwei, für sich allein betrachtet, unselbst-ständige Hälften zerrissen wird. Für die eventuelle Grösse derwestlichen Ostsee ist aber die Wahl der einen oder der anderen Grenz-linie von erheblicher Wichtigkeit, denn da man, sobald man sichfür die Linie Schweden —Rügen entscheidet, auch den Sund zurwestlichen Ostsee rechnen muss, so ergiebt sich für die westlicheOstsee in diesem Falle ein Areal von 410 DMeilen anstatt (vgl.oben) 239 DMeilen.
*) Segelhandbuch I., S. 504.