Zweiter Abschnitt.
GEOLOGISCHES.
I. Die Wirkungen der Wellen.
Um das geologische Alter eines Meeres und die an dessenUfern vorgegangenen Veränderungen möglichst annähernd zu be-stimmen, ist es vor allen Dingen nöthig, die Kräfte zu betrachten,welche noch heute an der Umgestaltung der Küsten wirken, dennauf diese Weise kommt man in die Lage, Rückschlüsse auf dieehemalige Gestaltung des fraglichen Meeresbeckens zu ziehen.
Zunächst ist als ein sehr wichtiger küstenverändernder Faktordie Wellenthätigkeit zu erwähnen, deren Wirkungen im allgemeineneine verschiedene ist, je nachdem Steilküsten oder Flachküsten be-spült werden.
A. Die Zerstörung der Steilküsten.
a. Art und Weise dieses Vorganges.
Bekanntlich besteht jede Meereswelle aus einer oberen und einerunteren Strömung, deren Richtungen einander entgegengesetzt ver-laufen. Trifft nun eine Welle mit ziemlich ungebrochener Kraftauf eine Steilküste, so wirkt der Oberstrom derselben im Laufe derZeit in sehr hohem Grade unterminirend und indem er dadurchein Herunterfallen der oberen Schichten ins Meer bewirkt, zer-störend; der Unterstrom dagegen führt die hcrabgefallenen Gesteins-trümmer seewärts, wo sie zu Boden fallen, wenn die Kraft derWelle eine derartig geringe geworden ist, dass sie die Gesteins-trümmer nicht mehr schwebend erhalten kann. Naturgemäss müssenalso die leichteren Theile weiter seewärts geführt werden, als dieschwereren. Ganz bedeutende Massen, wie grosse Diluvialgeschiebe,werden nur höchst selten in Folge ungewöhnlicher weiter unten zuerwähnender Veranlassungen von der Stelle bewegt und bleiben