II. Geologisches.
Iiebungsverh. an den heutigen Ostseeküsten.
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eines Zeitraums von 88 Jahren um 1,14 m gesunken, also im Jahredurchschnittlich um 1,3 cm und in einem Jahrhunderte um 1,3 m.
Die richtige Erklärung der so auffälligen scheinbaren Niveau-veränderung des Meeresspiegels zu geben, gelang indessen Celsiusnicht, denn er behauptete, dass eine allgemeine Wasserverminderungauf Erden stattfinde und zwar betrage dieselbe ca. 1,17 m inhundert Jahren. Sein Hauptverdienst in dieser Sache ist daher,dass er die Augen der wissenschaftlichen Welt auf das Phänomenlenkte und sichere Grundlagen für spätere Beobachtungen schuf.
Während eines langen Zeitraums waren die meisten Meinungengegen eine Niveauveränderung des Meeres. Selbst die sicher fest-gestellte Veränderung der Wasserhöhe jener Klippen, auf deneneinst die Robben geruht hatten, wurde auf eine andere Weise zuerklären versucht, nämlich durch eine Lager,-Veränderung derKlippen in Folge der früher geschilderten Wirkung des Eises. Manbeging hier aber den Irrthum, dass man dieselben für ungeheureisolirte erratische Blöcke ansah, während sie doch in Wirklichkeiterhöhte Punkte der festen Erdrinde darstellen.
Manche glaubten früher auch eine Niveauveränderung desMeeresspiegels annehmen zu müssen, und von grossem Interesse istin dieser Beziehung die Erklärung des Admirals Nordenanker(a. a. O.). Derselbe stellte sich die Ostsee als ein Gewässer vor,das höheres Niveau, als die Nordsee besitze und dessen Mündungeneine erodirende Thätigkeit ausübten. Die Folge hiervon sei eineErniedrigung des Wasserspiegels der Ostsee , weshalb jene Klippenjetzt höher emporragen müssten, als sonst.
Erst Leopold von Buch gelang die Lösung des verwickeltenProblems, indem er die Theorie aufstellte, dass nicht das verän-derliche und bewegliche Meer sein Niveau verändere, sondern dassdas im Bewusstsein des Menschen so feste und unbewegliche Landeiner aufwärts drängenden Bewegung unterliege, deren Stärke jedochan verschiedenen Orten auch sehr verschieden sei.
b. Stand der Hebungs-Verhältnisse an den heutigen Ostseekästen.
Gegenwärtig gestalten sich die Hebungsverhältnisse Schwedens und anderer Ostseeländer folgendermassen: Die ganze schwedischeOstseeküste zwischen Haparanda im äussersten Norden der bottni-schen Wiek bis nach Sölvesborg südwestlich von Karlskrona ist ineiner Hebung begriffen, deren Betrag jedoch, je nach den ver-