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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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95
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II. Geologisches.

Hebungsverh. an den heutigen Ostseeküsten.

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bereits ziemlich lange Dauer dieser Hebung sprechen subfossileMuschelablagerungen, die an allen Küsten des Oeselschen Inselge-bietes sowie auf Nuckö und bei Nyby und Hapsal , stellenweise biszu ca. io m hoch über dem Meeresspiegel gefunden werden 1 ). InFolge dieser bedeutenden Hebung hat sich anscheinend die InselOesel durch Bildung der Halbinsel Sworbe weit nach Süden ver-längert und den Eingang in den Rigaschen Busen verengt; dennSworbe, welches durch einen verhältnissmässig nur schmalen Isthmusmit dem Hauptlande Oesel zusammenhängt, ruft ganz den Eindruckhervor, als ob man einen Inselkern vor sich habe.

In gewissem Zusammenhänge mit der Hebung der schwedischenund finnischen Felsküsten dürften die zahlreichen dieselben um-säumenden Skären stehen 2 ). Freilich ist durchaus noch nicht er-wiesen, dass Skärenbildung allein auf felsige Hebungsküsten be-schränkt ist. Es ist im Gegentheil sogar sehr wahrscheinlich, dassauch in Ruhe befindliche Felsküsten in Folge starker Erosion ihresGesteins Klippen- und Skärenbildung aufweisen, ja selbst an felsigenSenkungsküsten, wie z. B. an der sinkenden Westküste der grossenneuseeländischen Südinsel, werden Skären nicht vermisst. DieHauptbedingung für eine Skärenbildung ist daher wol wesentlichdie, dass die Küste aus felsigem Materiale bestehe. In zweiterLinie kommt allerdings auch der säkularen Hebung und der Wellen-thätigkeit eine Rolle bei. Wie leicht zu ersehen ist, müssen näm-lich bei einer Hebungsküste die derselben vorgelagerten Untiefenaus dem Wasser emportauchen. Sobald sie nun bei diesem Hebungs-prozesse in die oberen Wasserschichten gelangen, unterliegen sieder Wellenthätigkeit, welche ihr Material umformt. Ist nun derKern dieser Untiefen ein felsiger und der umhüllende Mantel vongeringer Mächtigkeit, so wird letzterer oft gänzlich vernichtet undKlippen tauchen aus dem Wasser hervor. Dieselben werden nachund nach zu grösseren Inseln, bis sie schliesslich mit dem Fest-lande vereinigt werden. Bei grösserer Mächtigkeit des umhüllendenMantels wird dagegen der felsige Kern nicht frei gelegt und esbildet sich in Folge dessen eine aus lockerem Materiale bestehendeInsel. Da bei Schweden und Finnland sich die felsigen Küstenfast völlig mit den Hebungsdistrikten^decken, so kann leicht derGedanke entstehen, als ob die Hebung die Hauptursache der Skären-

*) Grewingk, a. a. O. S. 112.

8 ) Vergl. über diesen Gegenstand auch Hahn, a. a. O. S. 154, 155.