II. Geologisches.
Senkungsverh. an den heutigen Ostseeküsten. 97
liehen Ecke der zweiten Föhrde sich ein schmales flachesWiesenthal erstreckt, in welchem man, sobald man ca. i Fuss tiefgräbt, Schlamm, Sand und solche Muschelschalen findet, wie sienoch jetzt am Strande angetroffen werden. Die Nakskov-Föhrdehat ferner dadurch eine Verkleinerung erfahren, dass eine ehemaligeSeitenföhrde derselben, deren Stelle in unseren Tagen durch einbis zum Vesterborg-See sich ersteckendes Wiesenthal eingenommenwird, landerfüllt wurde. Eine andere ehemalige Insel stellt derTheil Laalands dar, welcher das Guldborg-Land heisst und vondem Hauptlande Laaland durch ein Wiesenthal geschieden wird,welches sich von dem Südostende der Saxkjöbing-Föhrde in direkterVerlängerung derselben bis zur grössten beckenförmigen Erweiterungdes Guldborgsundes erstreckt. Der höchste Punkt dieses Thaiesliegt nur 13 Fuss über dem Meere.
Ausser den noch jetzt in Hebung befindlichen Küstenstreckendes Ostseegestades unterlagen vielleicht noch manche andere, nämlichdie auf Seite 55—57 erwähnten Deltalandschaften, während derAlluvial-Periode einer solchen Bewegung. Dass Deltabildungen inhohem Grade durch säkulare Hebung der Küste gefördert werden,wurde bereits früher angedeutet. Zur Zeit scheint sich freilich unterallen genannten Deltas der Ostseeländer nur das der Newa zu heben.
c. Stand der Senkungsverhältnisse an den heutigen Ostseeküsten.
Die entgegengesetzte Bewegungs-Erscheinung, nämlich einesäkulare Senkung, ist in historischer Zeit wenigstens an zwei Küsten-strecken der Ostsee beobachtet worden. Ein solches Senkungsge-biet befindet sich im äussersten Süden Schwedens und umfasstungefähr die Küstenstrecke von der Hanö-Bay, westlich von Carls-krona, bis zur Lundakra-Bay bei Landskrona . Die Abwesenheitder Skären an dieser Küstenstrecke resultirt, wie oben gezeigt, nichtallein aus der säkularen Senkung.
Beweise für die stattgehabte Senkung sind vor allen Dingendie doppelten Pflaster in manchen Seestädten *) wie Malmö , Trelle-borg und Ystad , von denen das tiefer gelegene sich unter demNiveau des mittleren Wasserstandes befindet. In Trelleborg liegtdas alte Pflaster ca. 1 m unter dem jetzigen, in Malmö sogar 2,5 m.Aber selbst diese oberen Pflaster werden nicht selten vom Meere
*) Berzelius, Jahresberichte über den Fortschritt der phys. Wissenschaften.Bd. XVII. S. 415 ff. (nach Hahn a. a. O.)