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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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II. Geologisches.

Ostsee -Areal in der i. Interglacialzeit.

Penck 1 ) weist für viele Punkte das Vorhandensein dreiersolcher Grundmoränen nach, die in manchen Gegenden durch ge-schichtete Ablagerungen getrennt sind, in anderen dagegen keineZwischenlagerungen aufweisen, ohne dass daselbst eine Verschieden-heit der einzelnen Grundmoränen in Abrede gestellt werden könnte.Penck schliesst hieraus auf eine dreimalige Vergletscherung, die durcheine zweimalige eisfreie Zeit, eine Interglacial-Periode, unterbrochenwurde. Ob ein vollständiger Rückzug der Gletscher aus dem ganzendiluvialen Gebiete bis in die Gebirge stattfand, wie Penck meint,oder ob nur lokale Befreiungen von der Eisdecke eintraten, so dassalso dem Befreitwerden einer Landstrecke von der Eisdecke dasgleichzeitige Uebereistwerden einer anderen entsprochen hätte, darüberkann man jetzt noch nichts Näheres angeben. Nur die grosse Un-wahrscheinlichkeit, dass ein so ungeheures Gebiet, wie das von derDiluvialdecke überlagerte, dreimal iibereist worden sei, spricht gegendie ersterwähnte Annahme, und ausserdem ist an den Richtungenvon Gletscherschliffen und den geographischen Verbreitungsbezirkencharakteristischer Scheuersteine nachgewiesen, dass die Bewegungs-richtung des Gletschereises zu verschiedenen Zeiten sehr divergirthaben muss 2 ). Dies macht es gleichfalls wahrscheinlicher, dass nurlokale Rückzüge des Gletschers stattgefunden haben, so dass mancheGegenden auf diese Weise dreimal übergletschert wurden, ohne dassein allgemeiner Rückzug eingetreten ist.

b. Ausdehnung der Ostsee zur ersten Interglacialzeit.

Bis jetzt steht jedoch schon soviel fest, dass in ziemlich frühenEpochen der Diluvial-Periode das Meer an manchen Stellen einegrössere Ausdehnung besass als jetzt. In Bezug auf die marinenAblagerungen der ersten Interglacial-Periode (welche vielleicht, wenndiese Periode nur lokale Ausdehnung hatte, nicht völlig gleichaltrigeBildungen sind, immerhin aber eine relativ gleiche Altersstufe ein-nehmen), findet man zunächst in Schleswig-Holstein den CyprinenthonAlsens und den Brockenmergel am Brothener Ufer bei Travemünde 3 ).Auf der Insel Möen werden Sande mit marinen Petrefakten und

1 ) Penck, die Geschiebe-Formation Norddeutschlands (Zeitschrift der deutschengeologischen Gesellschaft. 1879.)

s ) H. Credner, über die Vergletscherung Norddeutschlands während der Eiszeit(Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Band VII. Nr. 8. S. 367.)8 ) Penck, a. a. O. S. 171, 172.