108 II. Geologisches. — Areal der Ostsee in der 2 . Interglacialzeit.
worden sind, dass mithin eine Einwanderung dieser Thiere vonNorden her ausgeschlossen ist, die Einwanderung also nur vonSüden her auf einer jetzt verschwundenen Landbrücke vor sich ge-gangen sein kann. Die genaue Ausdehnung der beiden durch dieLandbrücke getrennten Meere nach Süden hin anzugeben, ist zurZeit sehr schwierig wegen der noch zu unvollkommenen Kenntnissdes Diluviums.
Ob jemals alle hier angegebenen Flächen der beiden Meere zugleicher Zeit von der Eisdecke befreit dagelegen haben, ist, sobaldman nur lokale Rückzüge der Gletscher voraussetzt, nicht anzu-nehmen, es müssen vielmehr dann bei einem und demselben grossenWasserbecken kleinere eisfreie solchen durch Eis ausgefüllten gegen-über gestanden haben; anders steht es dagegen bei einem allge-meinen Rückzuge der Gletschermassen in die Gebirge, wie Penckihn annimmt. Ob aber die damals bestehenden beiden Meere ein-mal zu gleicher Zeit völlig vom Eise ausgefüllt gewesen sind, bleibtdaneben ebenfalls noch eine offene Frage. Möglich wäre es ja, dassmanche Gegend schon ihre zweite Glacial-Periode erlebte, als füreine andere weit von ihr entfernte die erste Interglacial-Periode an-brach. Da jedoch die sogenannten interglacialen Ablagerungen anMächtigkeit weit hinter den Grundmoränen zurückstehen, so liegtdie Annahme näher, dass während grosser Zeiträume, als die Be-dingungen für eine nur theilweise Vergletscherung des von den dilu-vialen Ablagerungen überdeckten Gebietes nicht mehr vorhandenwaren, das in Rede stehende Gebiet vollständig unter den Gletscher-massen sich befunden habe und dass die erwähnten Meeresflächenentweder völlig oder doch derartig durch das Gletschereis ausgefülltwaren, dass nur die tiefsten muldenförmigen Einsenkungen desMeeresbodens noch wassererfüllt sich darstellten. In diesen vomGletscher überdeckten Wasserlachen konnte natürlich kein organischesLeben stattfinden.
c. Areal der Ostsee zur zweiten Interglacialzeit.
Allem Anscheine nach unterlagen auch während dieser Eis-ausfiillung beide erwähnte Meere säkularen Niveauschwankungen.Dieselben scheinen im Gebiete des westlichen Meeres ein Empor-heben des Meeresbodens veranlasst zu haben, so dass in diesemFalle an der Stelle der heutigen westlichen Ostsee damals ein Landexistirt haben wird. Für diese Annahme spricht der Umstand, dass,