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Kleines Lese- und Lehrbuch der schweizerischen Volkswirtschaft / für den Schul- und Selbstunterricht verfasst von A. Furrer
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83
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Man kennt Beispiele aus dein Auslande, wo gewisseSchutzzölle eine gute Wirkung hatten; ja es kam vor, dasssich mit Hülfe derselben ansehnliche Industrien pflanzenbessern Zahlreich waren aber auch die Fälle, da die Schutzzölleeine schlimme Wirkung übten, sei es, dass sie die Nationenverfeindeten (der Staat, der sich durch die Schutzzölle einesanderen Landes benachteiligt glaubt, wird versucht, sich durchnoch höhere Zölle zu rächen), sei es, dass sie dem SchmuggelTür und Tor öffneten, die täglichen Gebrauchsartikel ver-teuerten, die Ueberproduktion förderten, Stillstand in dieProduktionsweise brachten (indem die Fortschritte andererVölker in der Produktionsweise unbeachtet und unbenutztblieben!, die Staatsfinanzen schwächten u. s. f.

Es gibt vielleicht keinen zweiten Gegenstand, über welchendie Ansichten hinsichtlich Nützlichkeit oder Schädlichkeit inder ganzen Welt so geteilt wären, wie die Ansichten überden Schutzzoll. Ja nicht bloss von Land zu Land, sondernauch innerhalb eines und desselben Staates wechseln dieAnsichten, je nach den Interessen, welche ins Spiel kommen.

Beispiele: 1) Den schweizerischen Baumwollsjomwew wärejede Zollerhöhung auf Baumwollgarnen willkommen, währenddie Baumwollicc&er sich über jede solche Zollerhöhung' beklagenwürden, Den ersteren dient es besser, wenn möglichst wenigfremde Garne in das Land kommen, den zweiten aber liegtdaran, dass sie die Auswahl haben, im Inland oder im AuslandGarne zu kaufen. Der Nutzen, nicht die Flagge, entscheidet.

2) Die meisten Staatsmänner der nordamerikanischen Unionbetrachten die Schutzzölle zur Zeit noch als ein Mittel, um demArbeiter das Leben leichter zu machen, angeblich weil die Zölleviel fremde Waren abhalten, so dass um so mehr Waren imLande selbst fabrizirt werden können.

Die meisten englischen Staatsmänner hingegen betrachten dieSchutzzölle als ein Mittel, den Arbeitern das Dasein zu erschweren,weil sie die Lebensmittel verteuern und somit der Arbeiter dieBefriedigung seiner Bedürfnisse mit grösseren Opfern erkaufenmuss.

3) Die rumänische Regierung betrachtet die Schutzzölle zurZeit als ein Mittel, um in dem industriearmen Lande gewisse