Die sage von grossen wasserfluthen, welche die erdeüberschwemmt und alles lebende ausgetilgt bis auf einenmenschen oder eine familie, die gnade vor gott gefunden,ist über den ganzen erdball verbreitet. Schon Jacob Grimm 1hat auf diese weite Verbreitung hingewiesen. Neuerdingshat der ethnograph Richard Andree 2 eine danken swertheÜbersicht über diese fülle mannigfacher Überlieferungengegeben. Ich darf mich hier mit einer hinweisung aufdiese Zusammenstellung begnügen. Wer in der ausgedehntenlitteratur der reisen und ethnographischen forschungen be-wanderter ist als ich, wird vielleicht die genannte Samm-lung durch einzelne nachträge vermehren können.
So hat sich auf Gaua, einer der Banks-inseln in Mela nesien , eine fluthsage 3 erhalten, welche durch die biblischeerzählung nicht beeinflusst ist. Sie knüpft sich an den grossensee namens Tas, der inmitten der insei auf einer höhe liegt.Ehemals war da eine grosse, mit wald bedeckte ebene. Auseinem der längsten bäume baute sich Qat einen kahn undliess sich durch die Spöttereien seiner brüder darin nichtstören. Wenn sie ihn fragten, wie er denn ein so grossesboot zum meere bringen wolle, gab er stets zur antwort:sie würden es bald sehen. Als das boot fertig gestellt war,lud er weih und brüder hinein, sammelte die lebewesen
1 Deutsche mythologie s. 541 ff.
2 Die fluthsagen, ethnographisch betrachtet von RA. Braun-schweig 1891.
3 RACodrington, The Melanesians, studies in their anthropo-logy and folk-lore (Oxford 1891) p. 166. Ich verdanlw die hinwei-sung darauf meinem freunde H.Jacobi.
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