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I Die sintfluthsagen
scheuer thonplatten gefunden, aus welchen die beharrlich-. keit und der Scharfsinn GSmith’s stücke von zwölf ehemalsein ganzes bildenden tafeln zusammengesetzt hat. Diesetafeln enthalten die niederschrift eines Babylonischen epos,das die geschicke des nationalhelden Izdubar 1 erzählt, inwelchem man längst eine anschauungsform des Sonnengottesund einen doppelgänger des biblischen Nimrod erkannt hat.Durch den Zorn der göttin Istar mit unheilbarer krankheitgeschlagen beschliesst Izdubar , seinen vergöttlichten ahnenSlt-napistim 2 3 * * * * alifzusuehen. Mit göttlichem rath und beistandgelingt es ihm, alle gefahren zu überwinden, und nachdemer zuletzt durch das meer des todes gefahren, gelangt er'zur mündung der ströme’, wo der göttliche ahne haust.Vom schiffe aus führt er das gespräch mit dein ahnen,der ihm den weg der heilung zeigen will. Die frage, wieSlt-napistim, der längst entrückte, sich unvergängliche ju-gend bewahrt habe, gibt diesem den anlass, seine erret-tung aus der fluth zu erzählen. Dies ist der inhalt derelften tafel 8 .
Die götter von Surippak, an ihrer spitze Anu, hattenbeschlossen, einen fluthsturm zu erregen. Der gott Ea, derihrem rathe beigewohnt, verkündete es dem Slt-napistimund gab ihm die Weisung, ein schiff zu zimmern gleich
1 Über die richtige lesung des sehr verschiedenartig zb. Nam-rüdu auch Gi-il-gameii gedeuteten ideogramms s. AJeremias, Izdubar-Nimrod (s. anm. 3) s. lf.
2 Das ideogramm für den ersten bestandtheil des Wortes wurdefrüher samaS (sonne) gelesen. Die jetzt durchgedrungene lesung hatP.lensen, Kosmologie der Babylonier (s. anm. 3) s. 384 begründet;danach ist jjüt-napistim 'der entkommene’, 'gerettete’.
3 Übersetzungen des Stücks findet mau bei GSmith, Chaldeanaecount of Genesis Lond. 1876 ch. xvi, deutsch übers, von HDelitzschI.eipz. 1876 s. 223 ff. PHaupt in der zweiten aufl. von Eberh. Schrä-
ders buch 'Die keilinschriften und das alte testament’ (Giessen 1883)
s. 60 ff. PJensen, Die kosmologie der Babylonier (Strassb. 1890)
s. 369 ff. AJeremias, Izdubar-Nimrod, eine altbabylonische heldensage
(Leipz. 1891) s. 32 ff. HZimmern bei Gunkel, Schöpfung und chaos
(Gött. 1895) s. 423 ff.