und so haben selbst katholische geistliche 1 der erkenntnissder Sachlage sich nicht verschlossen. Die frage über das #verhältniss der indischen und griechischen sagen zu dersemitischen blieb offen. Die Orientalisten, voran FrancoisLenormant 2 , unter ihnen auch Nöldeke, sprachen sich mitentschiedenheit dahin aus, dass allein die semitische sageoriginal, die der Inder und Griechen von ihr entlehntseien. Dagegen hat Lindner 3 die Selbständigkeit der in-dischen fluthsage betont und ganz kürzlich Paul Regnaud dies in seiner weise zu erhärten gesucht: für ihn löst sichdie ganze sintfluth in die ausgelassene butter eines indi-schen opfers auf. Wenn daher die frage hier von neuemaufgeworfen wird, so bedarf dies wohl kein wort der ent-schuldigung. Welche Wichtigkeit ihre lösung für die ge-schichte der Völkerbeziehungen hat, leuchtet von selbst ein.Die wege aber, welche eine solche Untersuchung Zu gehenhat, scheinen bei der gegenwärtigen läge der mythologiemethodologischen werth in einem masse zu besitzen, dasseine besondere neubehandlung der frage schon darum ge-rechtfertigt sein möchte.
Ich will zunächst in möglichster kürze einen über-blick der akten geben, um deren Würdigung es sich handelt.
1 Unter den resten der bibliothek Assurbanipals, diein den trümmern des alten Ninive ausgegraben und jetztdem Britischen Museum einverleibt sind, hat sich eine an-sehnliche zahl von bruchstücken alter, mit keilschrift ver-
1 so ALoisy (prof. a l’institut catholique de Paris), Les mytheschaldeens de la creation et du deluge (Amiens 1892) s. 50 ff. Ich ver-danke herrn prof. Weyman in München die bekanntschaft mit dieserSchrift. Anders urtheilt zb. FKaulen, Assyrien und Babylon (2 aufl.1882) s. 158.
2 Origines de Fliistoire d’apres la Bible 1, 410 ff. Nöldeke ao.s, 255 ff. Auch HOldenberg, Religion des Veda s. 276, 3 betrachtet dieindische fluthsage, übrigens ohne angabe von gründen, als 'semiti-sches lelingut’.
3 im Festgruss an ItRoth s. 215 f. Regnaud, Comment naissentles mythes (Paris 1897) s. 59—151,