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IV Schiff
durchs meer, sondern über das meer liin fährt er. Mankönnte sagen, dass der becher oder 'kessel’ des Helios diebrücke für diese Vorstellung gebildet habe. Doch wozu solchebrücken? Wenn Fortunat mit seinem wunschhütlein, Faustmit seinem mantel überallhin gelangen kann, wohin er sichwünscht, warum soll den gott nicht der heilige dreifuss,vollends ein beflügelter, aus dem Hyperboreerland zu seinenHellenen bringen? Nur so viel ist auch hier klar: die epi-phanie des gottes bereitet sich vor, und da der gott in wel-chem fahrzeug immer übers meer kommt, so kann auch indieser anwendung das alte mythische bild von der gottes-erscheinung auf erden nicht verkannt werden.
5 Wichtig ist schliesslich, dass die Vorstellung auchauf götterbilder und reliquien übertragen worden ist. Wirhaben schon gelegenheit gehabt, und werden sie noch öfterhaben, wahrzunehmen, dass die bildliche Vorstellung von derepiphanie der gottheit unwillkürlich auch dazu benutzt wird,die ankunft ihrer bilder oder heiligen Symbole durch denglanz des Wunders zu verklären. Das alte schnitzbild des He-rakles zu Erythrai sollte der legende nach auf einem flössestehend von Tyros her gekommen sein 1 ; es trieb an demVorgebirge an, das die bucht von Erythrai südlich abschliesst,ungefähr gleich weit von Erythrai und Chios ; in folge dessenwurde von beiden gemeinden anspruch auf den gott erhoben.Da entschlossen sich auf den rath eines erblindeten fischersPhormion, dem im träume die eingebung gekommen war, denThrakerinnen zu Erythrai ihre haare abzuschneiden und da-raus ein seil zu flechten: damit gelang es den Erythräerndas floss mit seinem kostbaren inhalt nach ihrer stadt zuziehen, auch Phormion soll wieder sehend gew'orden sein.Man zeigte in dem tempel noch lange das härene seil, undauch dadurch wurde die erinnerung an den Vorgang lebendig
1 Pausanias vn 5, 5—8 vgl. Kaoul-Kochette Memoires d’archeo-logie comparee (Mem. de l’acad. des inscr. XVII 2) p. 173 ff. Stephani,Der ausruhende Herakles s. 126 u. 18.