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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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in cultuslegenden

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erhalten, dass von weibern nur Thrakerinnen zutritt zu demtempel hatten. Als die abgeordneten des Ptolemaios Soter mehrere jahre sich vergeblich bemüht hatten, zu Sinope dasbild des Pluton, des künftigen Serapis, auf gütlichem wegezu erhalten, soll der gott selbst sich von seinem Standorthinweg auf das schiff begeben haben und dies auf wunder-bare weise am dritten tage nach Alexandreia gelangt sein hIn ungefähr derselben zeit wurde zu Rom der cultus desAsklepios von Epidauros her eingeführt 1 2 . Im j. 292 v. Chr.gieng, durch die Sibyllinischen bücher veranlasst, eine ge-sandtschaft an die berühmte cultusstätte. Die heilige schlänge,in der man den gott selbst verkörpert glaubte, bewegte sichaus eignem antrieb zum Strand und liess sich auf dem deckdes römischen schiffs nieder, das die schwere last einer gott-heit empfindet. Als das schiff in die nähe Roms gekommen,ringelt sich die schlänge am mast empor, um ihren künf-tigen Wohnsitz zu wählen, verlässt das schiff und verschwin-det auf der Tiberinsel, wo dann der tempel des gottes auf-gerichtet wurde. Der felsige grund der insei selbst ist sicht-lich durch nachhilfe so gestaltet worden, dass er das aus-sehn eines Schiffes erhielt. Auch das schiff, das den Pessi-nuntischen fetisch-stein der Göttermutter im jahre 204 nachRom brachte, verräth in der legende die übernatürliche kraftder gottheit, welche von ihm getragen wurde. Zur Tiber-mündung waren Römer und Römerinnen geströmt, um dasgöttliche idol würdig zu empfangen; dort blieb das schiffauf einer Sandbank hangen und keine kraft vermochte esfortzubewegen, bis Quinta Claudia herantrat: von der nachredeunkeuschen wandeis betroffen betet sie zur göttin, ihr diekeuschheit zu bezeugen, und wie spielend zieht sie nun die lastdes Seeschiffes Tiber aufwärts bis zur mündung des Almo 3 .

1 Tacitus hist. 4, 84.

2 Ovidius met. 15, 626744 (wo man v. 693 f. beachte:numi-nis illa die ratis Ausonia sensit onus pressastque dei grauitatecarina), über die zeit l.ivius 10,47; vgl. Preller-Jordan Köm. myth.2. 241 f., über die gestalt der insei ebend. 243, 1.

3 Ovidius fast. 4, 297 ff. vgl. Preller-Jordan 2, 57 f.