136
IV Schiff
Zahlreiche legenden, auf die mich ADieterich hingewie-sen hat, beweisen, dass diese bildliche Vorstellung auch vomChristenthum übernommen wurde. Die leichname der heili-gen, gelegentlich auch andere reliquien, werden oft zu schiffauf wunderbare weise an die statte ihrer besonderen Ver-ehrung gebracht. Die leiche des h. Jacobus wird von seinenSchülern zur küste (Joppe) getragen und dort in einem schiffegeborgen, das, während die schtiler schlafen, in einer nachtbis zur spanischen küste fährt; oder der kahn gelangt ohnesegel und rüder in einer halben stunde nach Spanien 1 , wodann später der berühmte Wallfahrtsort Santiago di Compo-stella die heiligen reste aufnimmt. Auch an anderen ortenwird daher bei bildlicher darstellung der Jacobusiegendedas den leichnam tragende schiff nicht vergessen: im domvon Pistoja (S. Jacopo) ist dies der gegenständ des letztenreliefs an dem silbernen altar rechts vom chore, einem werkdes XIII bis XIV jh. Auch das schiff, auf welchem der kör-per des h. Marcus von Alexandreia nach Venedig gebrachtwurde, verräth wunderkräfte 2 ; eine mosaik über dem rech-ten portal von S. Marco, vom j. 1660, stellt die Verladungund die ausschiffung der gebeine dar, auch sonst ist dortdas schiff des h. Marcus öfters abgebildet worden. Am dornedes apostels Matthaeus zu Salerno veranschaulicht ein reliefdie ankunft des heiligen zu schiff. Zu Bari wird der tag,wo der h. Nicolaus zu schiff angekommen sein soll (9 mai),mit grösserer festlichkeit begangen als der eigentliche ge-dächtnisstag (6 dec.). Die kirche von Dietkirchen an derLahn , das kleinere Vorbild des doms von Limburg , birgt dieleiche des h. Lubentius: der hatte zu Cubrinum (heut Cobern)an der Mosel auf befehl des Arianischen kaisers Constantiusden märtyrtod erlitten; nur der sarg mit seiner leiche wurdein einen kahn gesetzt, und dieser trieb nicht nur den fluss hinab, sondern bewegte sich auch den Rhein hinauf bis Lahn -
1 s. Lipsius, Die apokr. apostelgeschichten n 2 s. 223.
2 vgl. Acta sanct. april. t. in p. 354 f. Lipsius ao. II 2 s. 352 f.