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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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Dieser überblick führt uns deutlich vor äugen, dassder delphinreiter der Tarentinischen münzen ein göttlicheswesen sein muss, das weder Poseidon noch Apollon nochDionysos schlechthin genannt werden darf: es ist ein selb-ständiges wesen, das sich mit jenen gottbeiten, in gewisserart sogar mit Ares nahe berührt und dadurch fähig wird, dieabzeichen jener götter sich anzueignen. Aber unter welchemnamen haben die Tarentiner diesen ehemaligen gott verehrt?Aristoteles hatte in seinem Staatswesen der Tarentiner 1 aus-drücklich bezeugt, dass es 'Taras, der sohn des Poseidonsei, den die münzen der stadt auf dem delphin reitend dar-stellten. Das sohnesverhältniss zu Poseidon wird öfter hervor-gehoben und hat eine darstellung auf der schönen goldmünzegefunden, wo der knabe vor dem thron des Poseidon mitflehentlich zum vater erhobenen händen steht. Dass zur zeitdes Aristoteles in dem delphinreiter der eponyme heros derstadt gesehen wurde, lässt sich nicht wegläugnen; es gibtjüngere goldmünzen, auf denen die beischrift Tdpo«; als be-nennung des delphinreiters gefasst werden muss 2 . Aber wasin der Aristotelischen und der folgezeit galt, muss nichtdie ursprüngliche Überlieferung gewesen sein. Studniczka hates mehr als wahrscheinlich gemacht, dass der gewöhnlich alsftihrer der Parthenier aus Lakedaimon betrachtete Phalan-thos ursprünglich der delphinreiter Tarents gewesen und dieihm zugehörige sage im lauf der zeit von dem legendarischenauf den mythischen stadtgriinder, den eponymen heros über-

1 Aristot. fr. 590 R. 3 bei Poll. 9, 80 vöptopa . . . tcp oO iv re-TmnliöOai Tdpavra töv TToöeibihvo; bcXtpivi tiroxoöpevov. vgl. Pausan.x 10, 8 Tdpavxa bk töv hpü) TToaei&üivos qpaai Kai tmxujpiai; vupcprp;iralba clvai, Cbro toO hputoq T0pvai Ta övöpara Trj iröXei te Kaltu) TTOTapCu, auch Probus zu Verg. ge. 2, 197 p. 50, 10 'Tarentus Nep-tuni filius, wie Servius zur Aen. 3, 551 ge. 4, 126. Das münzbild findetman Besehr. d. Berl. ant. münzen III 1 taf. X 147 vgl. s. 224.

2 Besehr. d. Berl. ant. münzen III 1 s. 226 n. 1214 vgl. Fr.

Studniczka, Kvrone s. 178.