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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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V Fisch

aut' der kehrseite der Brundisinischen münzen ist wieder derdelphinreiter. Er wird meist, nach links gewandt, so dar-gestellt, dass er in der linken eine grosse lyra hält und aufder vorgestreckten rechten eine ihn bekränzende kleine Niketrägt; an stelle der Nike tritt öfter die oinochoe, an stelleder lyra auch das füllhorn; auf bronzemiinzen erscheint erauch wohl rechts gewandt die leier schlagend. Es kann keinzweifei sein, dass auch hier Phalanthos vorgeführt werdensoll. Füllhorn und weinkanne, um von Nike nicht zu reden,sind uns von Tarent her bekannt; aber ein wichtiger Zuwachsist die zu dem dreifuss oder bogen und pfeil der Tarenti-nischen münzen sich gesellende lyra. Dies beizeichen, dasnicht für sich, sondern im verein mit den übrigen gewürdigtsein will, gibt uns einen nicht misszuverstehenden wink zuunbefangenerer beurtheilung der bilder, in denen man Arionzu sehen pflegt, und der Arionsage selbst. So sicher wiedie einfachen denkmäler des delphinreiters, war auch das bild,das ihm die leier in die hand gibt, längst vorhanden, ehees auf den legendarischen begründer des dithyrambos, denZeitgenossen des Korinthiers Periandros übertragen wurde.Den Lesbiern und Korinthiern schreibt Herodot (1,24) diebekannte legende von der wunderbaren errettung des Ariondurch den delphin zu, eine legende, welche so auffallendeähnlichkeit mit der sage von Dionysos und den TyrrenischenSeeräubern zeigt, dass man sie nur als eine örtliche gestal-tung eben dieser nehmen kann. Zu Korinth hatte, wie wirgesehen, die heimische cultusgestalt des Melikertes die ge-legenheit zu solcher legendenbildung gegeben. Auf Lesbos hat die stadt Methymna nicht erst in der kaiserzeit, sondernschon in der unter Alexander dem gr. beginnenden präge-periode als münzstempel den sogen. Arion * 1 : mit langem ge-

gelegte keule haltend (Beschr. der Berl. a. m. III 1, 219 n. 711), zuTeanum bärtig, in der 1. dreizack, in der r. zweihenkliges gefäss (ebend-

s. 207 n. 28 f.).

1 Cat. Brit. mus., Troas taf. xxxvi n. 15 p. 179, 16 (älteresilbermünze); bronzen ebend. XXXVII n. 1 p. 180, 27 auf unserer