Buch 
Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
Entstehung
Seite
166
JPEG-Download
 

166

V Fisch

leichnam längst an der Lokrischen küste verbreitet war, ehesie auf den namen des Hesiodos geschrieben wurde.

6 Von geschichtlicher sage zur anekdote werden wir,wie es auf den ersten anblick scheint, durch die Überliefe-rungen von I a s o s in Karien geführt. Duris 1 erzählte, einknabe aus Iasos namens Dionysios habe mit anderen gespielendie gewohnheit gehabt, nach den ringübungen im meer zuschwimmen; da sei immer ein delphin gekommen, habe denknaben auf den rücken genommen und ihn nachher am landeabgesetzt. Wenn dann bemerkt wird, dass Alexander dergrosse den merkwürdigen knaben zu sich berufen habe, umihn zu sehen, so ist das ein weiterer fortschritt zu geschicht-licher anekdote. Aber die sage ist noch weiter ausgeschmücktworden: der verliebte delphin folgt dem knaben unvorsichtigbis auf den Strand und stirbt; Alexander ernennt dann denknaben in Babylon zum priester des Poseidon. Eine anderefassung gab Hegesidemos 2 . Ein knabe derselben stadt, Her-mias, machte auf dem vei'liebten delphin eine förmliche See-reise; ein plötzlicher sturm überrascht ihn, und er findetden tod in den wellen; der delphin brachte ihn zurück undim bewusstsein, dass er selbst die letzte Ursache des todesgewesen, kehrte er nicht ins meer zurück, sondern verschiedauf dem festland; knabe und delphin wurden, wie Aelian hinzufügt, gemeinsam bestattet, und das grabmal war durchdas Steinbild des auf dem delphin reitenden knaben ge-schmückt. Ein solches denkmal wird durch die thatsache be-stätigt, dass die stadt Iasos das bild des mit einem delphinschwimmenden knaben auf ihren münzen prägte (s. anm. 2);

1 Duris fr. 17 FHG 2, 473 bei Athen , xm p. 606 d , erweitertbei Plin. n. h. 9, 27. Vgl. über die Iasischen sagen AMarx ao. s. 14 ff.Schon der Verfasser von [Arist.] h. an. 9, 48 p. 631* 10 setzt sie alsbekannt voraus.

2 Hegesid. FHG 4, 422 bei Plin. n. h. 9, 27 Plut. de soll. an.36 p. 984 er . Nach Aelian nat. an. 6, 15 verletzt sich der knabe an derrückenflosse (?!) des delphin und stirbt an der wunde. Ueber denk-mal und münzen s. o. s. 150, 3.