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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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V Fisch

vollmondtag des monats Dionysios . Das wunder, das 'manchevon dem h. Lukianos berichteten und das am Astakenischenmeerbusen bald allgemeine sage wurde, war ein alter glaubens-inhalt des tages gewesen, an welchem Lukianos zum himmeleingieng. Es bedarf kaum eines beweises dafür, dass diemythischen züge, welche so häufig in die legenden christlicherheiliger eingedrungen sind, wenn wir, wie billig, absehenvon den stehenden und herkömmlichen wundern der mar-tyrien, nur durch die Übertragung der alten sagen und Vor-stellungen entstanden sein können, welche für den Unter-grund des Volkes, dem durch die taufe das heidenthum nichtaus herz und hirn gewaschen werden konnte, an dem be-treffenden tag fest hafteten. Es mag genügen, an das un-längst erörterte beispiel des h. Nestor 1 zu erinnern. Wo sichso klar wie in diesen fällen mythus und geschichte von ein-ander abheben, können christliche legenden erwünschte be-reicherung heidnischer religionsgeschichte liefern. Durch dielegende des Lukianos wissen wir, dass die Bithynier dieepiphanie des Dionysos am XV des auf Wintersonnenwendefolgenden monats Dionysios feierten. Wir wissen darausauch, unter welchem mythischen bilde die erscheinung desgottes geschaut wurde. Als entseelter auf dem rücken einesgewaltigen delphin zum lande gebracht, das war das bildBithynischer epiphanie.

Von einem dichter der Augusteischen zeit Antiphilosaus Byzantion 2 hat uns die Pfälzer Anthologie ein epigrammaufbewahrt, das einem delphin in den mund gelegt ist, dereinen leichnam zum lande getragen und dabei verschied:Avepa 0f)p xepffaiov 6 Ttövrioq, airvoov ^pTtvou?

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1 Rhein , mus. 53, 370 ff.

2 Anthol. Pal. 9, 222. Ueber die zeit des Antiphilos s. Jacobsanimadu. in Anth. in 3 p. 851.